Lehrte! Hannover Von „spritzigen und humorvollen Darbietungen“ sprach die Lokalzeitung noch unmittelbar nach der ersten öffentlichen Vorstellung des Schüler-Kabaretts „Die Blechtromler“. Zwei Tage später dagegen mäkelte das Blatt recht säuerlich an den Texten herum, die den Pennälern vom Gymnasium Lehrte im Kreis Burgdorf in Niedersachsen eingefallen waren: „Aus dem Munde eines Jugendlichen hören sie sich despektierlich an.“ Die Schülervorstellung hatte sich zu einem politischen Sketch ausgeweitet, den jetzt Erwachsene gaben. Im Mittelpunkt fand sich Dr. Alfred Redeker – als Oberstudiendirektor des Gymansiums Lehrte hatte er den Blechtrommlern verboten, ihre Trommel an der eigenen Schule zu rühren.

Dabei hat Direktor Redeker grundsätzlich gar nichts gegen ein Schüler-Kabarett. Bereitwillig gab er seine Zustimmung, als nach den letzten Sommerferien einige Schüler der damaligen 10. Klasse seines Gymnasiums eine Kabarett-Gruppe bilden wollten. „Damals nahm ich an, daß jugendgemäße Themen behandelt würden.“

Die Annahme trog – wie sich herausstellte, als die neugebildete Gruppe darum bat, Selbstgeschriebenes auf einem Tanztee der Schule vortragen zu dürfen. Der „Direx“ ließ sich die Texte kommen und mußte feststellen: „Die Themen waren nicht jugendgemäß.“ Die Schüler äußerten sich über die Notstandsgesetzgebung, den Vietnamkrieg und die Finanzkrise.

„Schulden, Schulden haben wir/Überall in aller Welt.“ So parodieren die Teenager die Nationalhymne.

Sie ließen auch mangelnden Respekt vor Politikern erkennen: „Nie wieder Soldaten hieß es erst/Doch wer kann schon Bonn vertraun....“

In Reimform polemisierten die 16- bis 17jährigen Blechtrommler gegen den Vietnamkrieg: „Sie foltern nicht nur tapfre Krieger/Sie bombardieren mit dem Flieger/Auch eine unschuldige Stadt./Ob sie auch Schuldige hat?/...Wer soll später in verbranntem Lande leben/Wenn es keine Vietnamesen mehr wird geben?“

Der Direktor las und erschrak – besonders über die Nummern, die sich auf deutsche Verhältnisse bezogen. Als verantwortlicher Leiter des Gymnasiums, so bedeutete er den Kabarettisten, dürfe er ihnen nicht erlauben, „bei einem Tanzvergnügen den Bundeskanzler und die Bundesrepublik dem Gespött der Schüler preiszugeben“.