Er gleicht einem jener Männer, die nicht nur ein Wiener Caféhaus-Kellner gern mit „Herr Eoktor“ anredet. Der unpromovierte Berliner Jurist Ernst Benda wird jedoch vermutlich bald die Anrede „Herr Staatsminister“ verdienen, denn er gehört zu den sechs, sieben jungen Leuten, die in Bonn als Kandidaten für diese neue Position „im Gespräch“ sind.

Die „Jugend“ des Frühvierzigers wäre kein Hindernis für seine Ernennung zum Bundesminister gewesen; sie wurde ernsthaft erwogen. Indessen scheint Ernst Benda – wie mancher andere qualifizierte und ambitionierte Nachwuchspolitiker – bei dem jüngsten Koalitionsarrangement nicht den richtigen Platz im komplizierten Koordinatensystem politischer, konfessioneller, regionaler und professioneller Bedingungen gefunden zu haben. Um so eher dürfte er prädestiniert sein, unter den ersten „Staatsministern“ der Bundesrepublik eine Art von Modellfigur abzugeben – in Verwirklichung einer Idee, die Ludwig Erhard in den ersten Krisenwochen vom Tegernsee mitbrachte.

In einem Lande, in dem Kanzler und Minister keine Hemmungen haben, sich in Zeitungen und vor Kameras über ihre Absichten zu äußern, bevor das Parlament mit der Regierungserklärung bekanntgemacht wurde, braucht ein designierter „Junior-Minister“ nicht „pingelig“ zu sein, wenn er über Möglichkeiten und Schwierigkeiten des ihm zugedachten Amtes mit sich reden läßt. Um Antworten ist Ernst Benda ohnehin nicht verlegen; mit berlinischer Pfiffigkeit reagiert er auf die Frage: „Man nennt Sie, aber Sie sind noch nicht ernannt?“

„In diesen Tagen in Bonn genannt zu werden, ist nicht schwer; schwerer ist es schon, ernannt zu werden. Bevor aber Bonn die ersten parlamentarischen Staatssekretäre oder Staatsminister – wie sie wohl heißen werden – haben wird, muß ein Gesetz gemacht werden. Die Prozedur der Gesetzgebung braucht ihre Zeit. Im Innenministerium arbeitet man mit Energie an einem Entwurf, der zwar vermutlich noch vor Weihnachten eingebracht, aber wahrscheinlich erst im Februar verabschiedet werden kann, wenn auch mit breiter Zustimmung, da selbst die FDP im Prinzip dafür ist“

„Man sagt, daß – in Erwartung der gesetzlichen Regelung – bereits in dem einen oder anderen Hause der eine oder andere unernannte Steatsminister an die Arbeit gegangen ist?“

„Ich kann verstehen, daß die neuernannten Bundesminister noch mehr als die altbewährten daran interessiert sind, ihren ‚Co-Piloten‘ möglichst bald bei sich haben möchten. Ich habe auch gehört, daß man in einem Ministerium bereits die Anrede „Herr Staatsminister‘ übt.“

‚Wenn man wissen will, ob das Amt eines Staatsministers sinnvoll oder sinnlos ist, sollte man nach England blicken.“