Spätestens in der vergangenen Woche wurde offenbar, daß das Amt des Ministers für Wirtschaft an Rhein und Ruhr nicht gerade ein Stuhl ist, nach dem sich die Kandidaten drängeln. Der neue Chef der Landesregierung in Düsseldorf holte sich nicht nur eine Abfuhr, ehe er in letzter Minute den bisherigen Leiter des Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Gewerkschaften Professor Dr. Bruno Gleitze der überraschten Öffentlichkeit als neuen Wirtschaftsminister der Düsseldorfer SPD/FDP-Koalition präsentieren konnte.

Zunächst hatte das DGB-Vorstandsmitglied Haferkamp den Antrag seines Parteifreundes Kühn dankend abgelehnt. Wie es hieß, wollte sich Haferkamp nicht der Chancen begeben, die ihm als möglichem Nachfolger von DGB-Chef Rosenberg offenstehen. Dr. Harald Koch, der als Arbeitsdirektor dem Vorstand des Hoesch-Konzerns angehört, wollte das schwierige Ministeramt zwar übernehmen. Aber als die Vertreter der IG Metall im Aufsichtsrat der Hoesch AG der vom Vorstand großzügig offen gehaltenen Tür für eine Rückkehr Kochs nach Dortmund nicht zustimmen wollten, sagte auch dieser Kandidat nein, der die unschätzbaren Erfahrungen eines Taktikers an der Front der Kohlen- und Stahlkrise auf seiner Seite gehabt hätte.

Es bleibt der fatale Eindruck, daß Ministerpräsident Kühn unter erheblichem Zeitdruck stand, als er seine letzte Wahl treffen mußte. Der neue Wirtschaftsminister, der mit der Strukturkrise des Ruhrreviers fertig werden soll, ist Theoretiker und einer der führenden Ideologen des DGB. Es gibt sicher glücklichere Voraussetzungen für dieses Amt, von dem für die Menschen und für die Wirtschaft dieses Landes doch zuviel abhängt, als daß es zum Experimentierfeld werden sollte. nmn