Um den Nabel dieses Mädchens, das seinen gestreiften Pulli als Theatervorhang benutzt, ist ein aus der Darstellungswelt des Barock in die Seemannskultur gekommenes Emblem der Treuen Liebe tätowiert, mit zwei Herzen, die eingerahmt werden von „Glaube“, „Vertrauen“ und „Süßer Erinnerung“; unter dem Nabel aber ist eine Banderole mit drei Sternen wie auf der Flasche eines guten Cognacs. Das Bild findet sich in dem Buch „Spiegel der Venus“ mit vielen anderen, die Wingate Paine photographierte und die Françoise Sagan und Federico Fellini mit dem nötigen Unernst kommentierten.

Paines Bilder haben Anmut und Frechheit, er appelliert an das theatralische Naturtalent der Mädchen, die auch die Posen der Photographen immer zu beleben wissen. Trinkende, schäkernde, sich an- oder ausziehende Mädchen, sich auf dem Bett räkelnde, sich nackt am Strand unter einem Sonnenschirm ergehende Nymphen – Paine arrangiert mit Erfindungsgabe Situationen. So ist ein hübsches erotisches Bilderbuch entstanden, dessen Gestaltung bunt und vielfältig ist, vor allem dank der Abwechslung von Bild und Kommentar, und das beim Blättern Überraschungen bringt.

Die Aufmachung kommt Wingate Paine zugute, dessen Bilder nur zum Teil für sich allein Bestand hatten. Handwerklich steht er nicht auf der Höhe seiner Einfälle, die Realisierung bleibt öfter hinter der Vorstellung zurück, die er evoziert. Wenn man an Sam Haskins denkt, fällt der Vergleich ziemlich eindeutig aus, und bei den nicht ganz befriedigenden Farbphotos denkt man mit Bedauern daran, daß Fellini den Platz bei der Kamera mit der Feder vertauschte – mit der er dennoch gleichfalls umzugehen weiß. Seine Kommentare geben den stärksten Eindruck einer Persönlichkeit im Buch – er deklassiert Françoise Sagan. Während sie zum gemeinsamen Werk Schmachtfetzen beisteuerte von der Art: „Aber dann wird sie weich und warm“, bleibt Fellini nüchtern: „Sie (die hübschen Mädchen) haben eine unschuldige, fast animalische Schamlosigkeit. Bilde dir nicht ein, sie wurden jemals ganz zivilisiert.“

Wer sich oder Freunden ein Bilderbuch zu Weihnachten schenken will und ein Stück gepflegter Erotik passend findet, kann zu diesem Bildessay über die Reize schöner Mädchen greifen, (Wingate Paine / Françoise Sagan / Federico Fellini: „Spiegel der Venus“; Verlag C. J. Bucher, Luzern / Frankfurt; 160 S. mit III, teils farbigen Photos, 38,– DM.

Herbert Linder