DIE ZEIT

Des Kanzlers schillernder Prolog

Wohl hat der Kanzler von den sozialdemokratischen Vorstellungen all das in sein Programm übernommen, dessen die CDU/CSU bedarf, um sich aus dem Konkurs der Erhardschen Wirtschaftspolitik zu retten; auf diese Politik hielt er eine Leichenrede, die an vernichtender Deutlichkeit nichts zu wünschen übrigließ.

Weniger Promille

Der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofes hat die berüchtigte Promille-Grenze von 1,5 auf 1,3 herabgesetzt. Diese Entscheidung ist aus so vielen Gründen und trotz so vielen möglichen Einwänden richtig, daß sie der falschen Begründung, „neue medizinisch-naturwissenschaftliche, Erkenntnisse“ hätten ergeben, daß „Kraftfahrer bei einem Blutalkoholgehalt von 1,3 an unbedingt fahruntüchtig“ seien, durchaus entbehren kann.

Abschied von Paris

Die Außen- und Verteidigungsminister der NATO sind diese Woche in Paris auf die frischen Spuren des Sowjetpremiers Kossygin gestoßen.

Maiers Meisterwerk

Die Große Koalition scheint nun zum Modell für die Länder zu werden. In Hannover hat sie schon vor dem Bonner Sündenfall existiert.

VW-Alarmsignal

Die Nachricht aus Wolfsburg wirkte wie ein Schock. Daß nun auch das Renommierunternehmen des „Wirtschaftswunders“ Absatzsorgen hat, daß in Nordhoffs Konzern in den nächsten drei Monaten 100 000 Autos weniger gebaut werden, als produziert werden könnten, hat Millionen erschreckt.

Streit um Buchstaben

Der Kongreß buchstabierte. Es ging um „D...D...R“ oder „S...B...Z“. Zu Bruch zu gehen drohte dabei die Einheit derer, die dem Willen zur deutschen Einheit viele Jahre das organisatorische Ruhekissen gegeben haben: Das Kuratorium „Unteilbares Deutschland“, gutes nationales Gewissen seit 1954, blieb auf seiner Berliner Jahrestagung nicht bei den „Macht-das-Tor-auf“-Parolen und dem Symbol der stacheldrahtumwirkten Kerzen.

Der alte Mann und sein Land

Die Szene glich keinem Tribunal, eher einem wohlstudierten Opernfestspiel. Viel äußeres Gepränge: der mit Gold und Plüsch verzierte Saal des Palacio de las Cortes, Die Statisterie: 400 Ständevertreter in prunkvollen, ordenübersäten Uniformen, strengen Soutanen, blauen Falangehemden und feierlichen Fräcken.

ZEITSPIEGEL

Sieben Oberschüler in der englischen Grafschaft Suffolk haben in einem Leserbrief an ihre Lokalzeitung ihrem Herzen Luft gemacht.

Wer hat gesündigt?

Was ist für meinen Saarbrücker Freund und Kollegen Krockow das Erste und was das Zweite? Einen so banalen Tatbestand zu erwähnen, daß in Bonn eine Regierung „verfallen“ war, ja wohl vom „Vakuum“ einer Regierung geredet werden mußte, das verdient kein Wort der Erwähnung.

Bonns Sündenfall

Wo immer es darauf ankommt, das Schwert der Entscheidung so rasch und widerstandslos wie nur möglich schneiden zu lassen, wo „Schlagkraft“ und „Entschlossenheit“ zu Kriterien politischen Handelns erhoben werden, da drängt sich in Demokratien die Große Koalition auf.

Nordhoffs VW-Bremse

Der Schock kam am Vorabend des dritten Advent. „Da mit einer nachhaltigen Besserung der Wirtschaftslage in nächster Zeit nicht gerechnet werden kann“, so lasen es die VW-Arbeiter am Freitag am Schwarzen Brett, müsse die Produktion gedrosselt und Kurzarbeit eingeführt werden.

Die Vikare der Minister

Die neue Bundesregierung will den Ressortministern Staatsminister zugesellen. „Staatsminister“ war bisher ein den Ländern vorbehaltener Titel.

Der zweite Mann im Minister-Tandem

Er gleicht einem jener Männer, die nicht nur ein Wiener Caféhaus-Kellner gern mit „Herr Eoktor“ anredet. Der unpromovierte Berliner Jurist Ernst Benda wird jedoch vermutlich bald die Anrede „Herr Staatsminister“ verdienen, denn er gehört zu den sechs, sieben jungen Leuten, die in Bonn als Kandidaten für diese neue Position „im Gespräch“ sind.

Mit vertauschten Rollen

Zwei Polizisten schritten ein. Die Tanzrhythmen, die zu mitternächtlicher Stunde aus dem vierten Stock eines Wohnhauses in eine stille Gasse der Frankfurter Innenstadt hineinhämmerten, schienen ihnen des Guten denn doch zuviel.

Die neue Opposition

Bundeskanzler Kiesinger kam in seiner Regierungserklärung ohne lange Einleitung und ohne Umschweife zur Hauptaufgabe der neuen Bundesregierung die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen.

Absagen an den Kreml

Immer deutlicher wird das Drängen der Kremlführung, möglichst bald eine kommunistische Weltkonferenz einzuberufen. Regelmäßige internationale Treffen der KP-Chefs, so argumentieren die Mächtigen in Moskau, seien das beste Mittel, die zunehmende Differenzierung im Lager des Weltkommunismus zu verhindern und den immer stärker werdenden Selbständigkeitstendenzen Einhalt zu gebieten.

Welche Chancen in Osteuropa?

Welche Chancen hat eine neue Ostpolitik der neuen Bundesregierung? Wenn man den empörten Aufschrei hört, mit dem die Bonner Große Koalition in den osteuropäischen Hauptstädten kommentiert wird, möchte man bezweifeln, daß sie sehr groß sind.

Abrechnung mit Erhard

Auf allen Seiten, des Bundestages, nicht nur bei der Koalition, hinterließ Kiesingers Regierungserklärung einen starken Eindruck.

Stoppt die NPD - irgendwie!

Was die NPD anbelangt, da gibt es zwei Möglichkeiten: entweder bringen wir sie auf 20 Prozent – weil die Amerikaner Ländern mit 20 % Radikalen Entwicklungshilfe gewähren.

Pariser Partnerschaft?

Die Bundesregierung hat die „konkreten Vorschlage“, die sie für die deutsch-französische Zusammenarbeit unterbreiten will, als Teil ihrer, neuen Ostpolitik dargestellt und damit eine für das Pariser Echo glückliche Formulierung gefunden.

Ölkrieg im Nahen Osten

Syrien hat zum Schlag gegen die westlichen Erdölgesellschaften ausgeholt. Zum erstenmal seit der Suezkrise vor zehn Jahren wurde der Ölstrom, der von den Schürffeldern im nördlichen Irak durch eine Pipeline zum Mittelmeer fließt, wieder unterbrochen.

Große Koalition Nr. 2

Was in Düsseldorf mißglückte, gelang in Stuttgart: Nach Bonner Muster wurde eine Große Koalition zwischen CDU und SPD aus der Taufe gehoben.

Der alte Mann und das Meer

Auf der alten Route der Windjammer segelte der 65jährige Engländer Francis Chichester mit seinem 16 Meter langen Zweimaster Gipsy Moth IV in hundertsieben Tagen von Plymouth um das Kap der Guten Hoffnung nach Australien.

Kiesingers Debüt

Soll die schwarz-rote Ehe in Bonn bis zum verflixten siebten Jahr dauern? Ein Interview mit Bundeskanzler Kiesinger wurde zu Wochenbeginn so gedeutet.

Namen der Woche

Robert Kennedy, Senator von New York, wurde von FBI-Chef Edgar Hoover beschuldigt, er habe als Justizminister Telephone abhören lassen, nicht nur aus Gründen der Staatssicherheit, sondern auch zur Aufklärung von Gewaltverbrechen.

Weltraum ohne Kernwaffen

Trotz des Krieges in Vietnam sind sich Sowjets und Amerikaner in dieser Woche um einen großen Schritt nähergekommen. Nach monatelangen Verhandlungen hinter den Kulissen einigten sie sich auf ein internationales Abkommen für die friedliche Nutzung des Weltraums.

Von ZEIT zu ZEIT

In seiner ersten Regierungserklärung versprach Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger Entscheidungen in der Finanz-, Wirtschafts-, Außen- und Deutschlandpolitik.

Acht Tage in Vietnam

Papst Paul VI. rief die Kriegführenden auf, die Feuerpausen am Weihnachts- und Neujahrsfest und zum buddhistischen Mondneujahr im Februar zu einem anhaltenden Waffenstillstand zu verbinden, damit diese „goldene Gelegenheit“ zu einer „ehrenhaften Verständigung“ nicht versäumt werde.

Hans Gresmann berichtet aus Indien: Baut Delhi die große Bombe?

Die Kuppel des graziösen, über alle Maßen prächtigen Taj Mahal hob sich glitzernd vom dunkelblauen Himmel ab. Das Grabmal, das ein tiefbekümmerter Mogul vor dreihundert Jahren seiner Lieblingsfrau errichtete, hatte auch an diesem leuchtenden Nachmittag wieder Rudel von Touristen angezogen: Sinnbild und Prunkstück einer weltumspannenden Indienromantik.

Kein Krieg im All

Präsident Johnson ist der einzige Staatsmann, der den im Kreis der Vereinten Nationen zustandegekommenen Vertrag über die friedliche Nutzung der Raumfahrt als „die bedeutendste Entwicklung in der Rüstungskontrolle“ seit dem Abschluß des Testbannabkommens von 1963 feiert.

Nation in Waffen?

Berufsarmee und Bereitschaftsarmee – Generalleutnant Hepp antwortet der ZEIT

Boykott mit Lücken

Im November 1964 beging die Labour-Regierung die Unvorsichtigkeit, über die miserable Erbschaft der Tory-Finanzpolitik so laut zu klagen, daß auch jene Leute aufhorchten, für deren Ohren es gar nicht bestimmt war: die Börsenmakler in New York, Paris und Zürich.

Warum schweigt Köln?

Der Kölner Klingelpütz-Prozeß dauert an. Die menschenunwürdigen Zustände im Gefängnislazarett, die während der vergangenen zehn Verhandlungstage zur Sprache kamen, erregten unter den Zuhörern im Gerichtssaal Ekel und Entsetzen.

Parkraumsünder

Was grün werden sollte, wurde grau. Wo Gras wachsen sollte, liegt jetzt Asche. Selbsthilfe ganz besonderer Art dachten sich jüngst Mannheims Wirtschaftshochschüler aus: Sie griffen zwar nicht, wie Göttingens Professoren, in die Brieftasche, doch aber zu Hacke und Schippe und riskierten – vorübergehend wenigstens – einen Platz im Kittchen, um sich Platz zum Parken zu schaffen.

Rund um St. Pauli: Mutti im Souterrain

Unsereins muß alles beim Namen nennen, sagte Erna zu einem Gast der für Kämmen nicht zahlen wollte, und stellte ihren Fuß zwischen die Tür.

Weihnachtsmann in Ost und West

Der Berliner Weihnachtsmarkt hatte früher einmal seine Tradition. Gewiß: Mit dem Christkindlmarkt in Nürnberg hat er es wohl nie ganz aufnehmen können – der war schon immer hübscher; aber das vorweihnachtliche Vergnügen im Lustgarten war eben auch etwas.

Gestohlene Kränze aus Ohlsdorf

„Die Beisetzung der Urne kann pünktlich erfolgen“, sagte der Kapellenwärter zu dem Herrn. „Zur Zeit haben wir in Ohlsdorf täglich etwa einhundertundvierzig Einäscherungen und Erdbestattungen, die Verwaltung muß ständig improvisieren, aber letzten Endes geht dann doch noch alles gut.

Fröhliche Feste mit Steuergeld

Just dasselbe Freiburger Luxushotel, in dem sich vor einigen Jahren arabische Ölscheichs getummelt hatten, suchten sich die Jungdemokraten Südbadens für ihren Landesvertretertag aus.

Das Kabarett der Pennäler

Lehrte! Hannover Von „spritzigen und humorvollen Darbietungen“ sprach die Lokalzeitung noch unmittelbar nach der ersten öffentlichen Vorstellung des Schüler-Kabaretts „Die Blechtromler“.

Deutsche Sehenswürdigkeit

Die Vorstellungen der Münchner Kammerspiele haben jetzt manchmal gleitende Anfangszeiten: Wenn ein Schauspieler noch unten auf der Hauptbühne gebraucht wird, fängt man im fünften Stock, im Werkraum-Theater, eine halbe Stunde später, an.

Mädchen, willenlos und willig

Fernando Arrabal wurde in Deutschland vor allem durch seinen Roman „Baal Babylon“ bekannt. Seine Stücke, die inzwischen drei Bände füllen, sind bei uns kaum gespielt worden, obgleich Arrabal einer der begabtesten Nachfolger Becketts und Ionescos in der jüngeren Dramatikergeneration Frankreichs ist.

Kortners Wiener „Othello“

Drei Monate lang war Fritz Kortners Inszenierungsarbeit der Schrecken des Burgtheaters. Man vernahm Legendäres über Probenkrachs, über Bühnenumbauten, über neuerliche Verschiebungen.

Fernsehen:: Appell zur Kritik

Fernsehautoren, und nicht allein sie, wissen sehr gut, daß die Fähigkeit der Distanzierung, jene schöne Gabe, relativieren und Bezüge herstellen zu können, nicht gerade ein markanter Zug der Bildschirmfreunde ist: Die Entschlossenheit, alles für bare Münze zu nehmen und sich zu identifizieren, wo immer es geht, kennt keine Grenzen, die heitere Kunst gewinnt den Charakter eines zweiten, höchst ernsten Lebens, die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit sind keine Grenzen mehr.

Meine Schwester, die DDR-Zöllnerin

Beherzigenswerte Regeln für die Einreise nach Ostberlin – Gesamtdeutscher Bunker und Endstation Sehnsucht – Mit dem Taxi geht es auch nicht schneller

Kunstkalender

Wer ihn bisher für einen recht guten, temporär wichtigen Maler des zweiten Ranges hielt, wer ihn zusammen mit George Grosz unter die Engagierten, Gesellschaftskritischen, die sich nach dem Ersten Weltkrieg zu Wort meldeten, einrangierte, wird seine Ansicht korrigieren müssen.

ZEITMOSAIK

Die Presse der westlichen Welt, von der Neuen Zürcher Zeitung zur New York Times vom Hamburger Abendblatt zur Sunday Times, vom Bayern-Kurier zur Frankfurt Rundschau, berichtete in den letzten Tagen teilweise mit großer Ausführlichkeit von einer Neuigkeit in Sachen der beiden im Februar dieses Jahres zu Zwangsarbeit verurteilten sowjetrussischen Schriftsteller Abram Terz (Sinjawskij) und Nikolaj Arshak (Danielj): Über sechzig sowjetische Autoren, Angehörige des Schriftstellerverbandes der UdSSR, unter ihnen Ilja Ehrenburg, Kornej L.

Zero und die neue Regierung

Will man im Hotel telephonieren, bringen sie einem automatisch die Liste mit den Nummern der diversen Ministerien. Unvorstellbar, daß jemand nicht mit irgendeinem Vorzimmerzerberus sprechen will.

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