Die britischen Gewerkschaften stehen „Gewehr bei Fuß“: Sie sind entschlossen, dem Vordringen des amerikanischen Kapitals in der englischen Industrie mit organisierten Protesten zu begegnen. Grund der Aufregung: Der amerikanische Automobilkonzern Chrysler will – nach immer wieder dementierten, aber dennoch glaubwürdigen Berichten – die Aktienmehrheit der britischen Automobilfirma Rootes übernehmen.

Rootes (Automarken Sunbeam, Hillmann, Humber) ist die viertgrößte Automobilfabrik Englands nach BMC (British Motor-Corporation), Ford und Vauxhall (General Motors). Das Unternehmen hat in den letzten beiden Geschäftsjahren 35 bis 40 Millionen Mark Verlust gemacht. Chrysler (Jahresgewinn 1965 rund 930 Millionen Mark) bereits mit 45 Prozent an Rootes beteiligt, will aber nur Geld zuschießen, wenn es aus dem Besitz der Familie Rootes so viele Aktien kaufen kann, daß sein Anteil auf 51 Prozent steigt.

Mit Rootes würde der Chrysler-Konzern – der viel später als General Motors und Ford in das Europa-Geschäft eingestiegen ist – einen Stützpunkt auch in der EFTA erhalten. In der EWG ist Chrysler durch Simca vertreten (Anteil 65 Prozent). Außerdem wird dem Konzern seit Jahren Interesse an BMW und NSU nachgesagt. In London erwartet man, daß Premierminister Wilson trotz der Abneigung der britischen Gewerkschaftsfunktionäre gegen ein hartes „Detroit-Management“ ein stärkeres Engagement von Chrysler bei Rootes begrüßen würde. merc.