Beherzigenswerte Regeln für die Einreise nach Ostberlin – Gesamtdeutscher Bunker und Endstation Sehnsucht – Mit dem Taxi geht es auch nicht schneller

Von Wolf Hansen

Wie lange braucht ein Deutscher aus Hamburg, um über die Grenze eines anderen Landes zu kommen? Diese Meßzahlen internationaler Verhältnisse sind vielleicht außenpolitisch irrelevant (aber sind sie das wirklich?); für jeden einzelnen, der sich aufmacht, werden sie wichtig.

Als Mittelwerte (vom ersten bis zum letzten Kontakt mit den wie auch immer institutionalisierten fremdländischen Grenzhütern gemessen) habe ich errechnet: für Österreich 57 sec; für die Schweiz 59 sec; für Frankreich 1 min 17 sec; für Dänemark 4 min 7 sec; für die USA 11 min; für Großbritannien 14 min; für die DDR 58 min.

Nun ist die DDR natürlich kein „anderes Land“, ideologisch gesehen; wie sehr sie, praktisch gesehen, doch eins ist, bleibt nur denen verborgen, die es vorziehen, ihre Gedanken darüber am gesamtdeutschen Schreibtisch zu erarbeiten, statt sich immer wieder mit der getrenntdeutschen Wirklichkeit vertraut zu machen.

Wenn mein deutscher Bruder, der DDR-Grenzpolizist, sagt: „Die Währung unserer Republik darf nicht ausgeführt werden“ – dann mag westdeutsche Sprachregelung diesen Satz von Anfang bis Ende für unzulässig halten, es ändert gar nichts daran, daß er gilt, daß er zu jenen Fakten gehört, die wir uns doch jetzt, mit der Großen Koalition im Rücken, unerschrocken vor Augen führen wollen.

Zuletzt hörte ich den Satz von einer DDR-Zöllnerin, meiner Schwester also, wenn ich mich wieder der euphemistischen Festredner-Diktion bedienen darf. Ihr sei dieser Aufsatz gewidmet. Schließlich verdanke ich es ihr, daß ich meinen Mantel behalten durfte, der innen mit Schafsfell gefüttert ist – was mir um so lieber war, als die Temperaturen unter Null lagen.