Von Alexander Rost

Konstruiert von Phineas Pett, einem der berühmten Schiffbaumeister Englands, lief 1637 die „Sovereign of the Seas“ vom Stapel. Sie kostet: dreißigtausend Pfund Sterling; und weitere zehntausend zahlte man, sie künstlerisch auszuschmücken. Für damalige Zeiten waren das phantastisch anmutende Summen. Die „Sovereign of the Seas“ galt als das am reichsten verzierte und vergoldete Schiff, das jemals auf einer britischen Werft gebaut wurde. Ihren ikonographischen Plan schuf der Rubens-Schüler Anthonius van Dyck, Hofmaler Karls I.; er ließ den ganzen Pomp des Barock in See stechen.

Auf dem oberen Teil des Heckspiegels thronte Nike, die Siegesgöttin, umgeben von Neptun,

Walfangszene (1776, Altonaer Museum)

Jupiter, Jason und Herkules. Die Galionsfigur stellte König Edgar dar, zu Pferde; unter den Hufen wurden sieben Könige, die sieben Weltmeere symbolisierend, niedergetrampelt. Cupido ritt auf einem Löwen daher. In sechs allegorischen Figuren tummelten sich auch die Tugenden an Bord. Die „Sovereign of the Seas“ war in all diesem Prunk ein Instrument der Politik; sie demonstrierte den Seemachtanspruch Englands. Die Kunst spielte dabei eine gewichtige Rolle.

Allein dieses Beispiel schon ist stark genug, den Versuch einer Salzwasser-Kunstwissenschaft zu rechtfertigen, wie er jetzt, in diesem Umfang zum ersten Male, in einem gleichsam prächtig aufgetakelten Buch voller Bilder unternommen wurde –

Hans Jürgen Hansen (Herausgeber): „Kunstgeschichte der Seefahrt“; Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg/Hamburg; 288 S., 78,– DM.