Am Freitag ging die Nachricht durch den Äther, am Samstag stand sie in allen Zeitungen: Das Volkswagenwerk führt im nächsten Jahr Kurzarbeit ein. Der Tag, an dem die Zeitungen diese Meldung in die Welt posaunten, heißt im Jargon des Handels und seiner Kunden der „silberne Samstag“. Bis zum Weihnachtsfest folgt ihm nur noch ein verkaufsoffener Samstag – das Weihnachtsgeschäft strebt seinem Höhepunkt zu.

Kurzarbeit bei VW – diese Meldung hat schockiert. Wer bisher noch alles Gerede von der Wirtschaftskrise ignorierte, der horchte jetzt erschreckt auf. Wenn das möglich war, dann konnte auch noch mehr passieren. Das war die erste Reaktion. Und dann gingen die Leute hin und kauften ihre Weihnachtsgeschenke, als sei nichts geschehen.

Auch in Wolfsburg, wo man sich schon vorher ausrechnen konnte, wieviel in den ersten drei Monaten des kommenden Jahres in den Lohntüten fehlen wird. Hertie-Geschäftsführer Dietrich Karg – von den vier großen Warenhauskonzernen ist nur diese Gruppe in Wolfsburg vertreten – kommentiert das Geschäft so: „Wir haben leichte Umsatzeinbußen gehabt, aber von einer Panikstimmung kann keine Rede sein.“

Und wenn schon in Wolfsburg allenfalls ein bißchen Nervosität zu verspüren ist, wie sollte dann der Kunde in anderen Gebieten ein Freund von Traurigkeit sein? Allenfalls das Wetter hielt die Käufer an diesem dritten verkaufsoffenen Samstag zurück – die drohende Krise schreckte sie nicht. So gab es in Norddeutschland ein besseres Geschäft als im Süden oder im Ruhrgebiet, so schnitten Warenhäuser mit „eingebautem“ Parkhaus besser ab als kleinere Einzelhandelsgeschäfte.

Der Handel jedenfalls ist bisher nicht völlig unzufrieden und nach dem schwachen Start des Weihnachtsgeschäfts eher angenehm enttäuscht. Ein großer Warenhauskonzern charakterisiert das Geschäft als „im allgemeinen etwas besser, aber nicht aufregend.“ Man registriert jedoch auch,daß die Einzelhandelsumsätze von Januar bis September nur um 6,8 Prozent gestiegen sind – 1965 nahmen sie noch um 10 Prozent zu –, daß sie im Oktober nur um 1,5 Prozent höher waren als im Vergleichsmonat 1965 und im November gar auf dem Stand des Vorjahres verharrten.

Aber, so sagen besonnene Einzelhändler, das ist eigentlich ganz normal. Sie verweisen dabei vor allem auf vier Punkte, die das Geschäft des Handels beeinträchtigt haben:

  • die Löhne sind weniger stark gestiegen als in den Vorjahren,
  • die Zahl der Arbeitslosen war Ende November fast doppelt so hoch wie 1965,
  • die Zahl der Überstunden ist gesunken und
  • steigende Mieten haben einen Teil des Kaufkraftzuwachses, absorbiert.