Syrien hat zum Schlag gegen die westlichen Erdölgesellschaften ausgeholt. Zum erstenmal seit der Suezkrise vor zehn Jahren wurde der Ölstrom, der von den Schürffeldern im nördlichen Irak durch eine Pipeline zum Mittelmeer fließt, wieder unterbrochen. Seinerzeit hatten Partisanen aus Sympathie für Nasser die Rohrleitungen gesprengt, diesmal wurden Rohrleitung, Pumpenstationen und Büros der Irag Petroleum Company (IPC) offiziell beschlagnahmt, um höhere Transitgebühren zu erzwingen.

Die europäischen Ölkonsumenten können – im Gegensatz zu 1956 – unbesorgt sein. Heute gibt es in der Welt einen Überschuß an Erdöl, die Vorratslager sind gefüllt, der Suezkanal ist offen. Den westlichen Erdölgesellschaften ist es ein Leichtes, auf andere Ölfelder auszuweichen, an denen rund um den Persischen Golf und in Nordafrika kein Mangel herrscht. Die Tanker sind erheblich größer, schneller, rentabler geworden.

Von den 64 Millionen Tonnen Erdöl, die jährlich von den Feldern bei Mossul und Kirkuk gefördert werden, flossen bisher 42 Millionen zu den Häfen Banias (Syrien) und Tripilo (Libanon); der Rest wurde über Basra am Persischen Golf verschifft.

Die syrische Regierung hatte von der IPC vergebens verlangt, 440 Millionen Mark nachzuzahlen. Andernfalls sollten die Gebühren um das Doppelte erhöht werden.

Das syrische Vorgehen könnte für Syrien, das auf die Gebühren angewiesen ist, und noch mehr für den Irak ins Auge gehen. Der Staatshaushalt des Irak wird zu achtzig Prozent aus den Erdöleinnahmen gespeist.

Wenn die IPC hart bleibt, werden der Irak und Syrien vielleicht nach berühmtem Vorbild (Mossadek in Abadan, Nasser in Suez) zum letzten Mittel greifen: Verstaatlichung. Fraglich bleibt, ob der Irak dann Käufer für sein Öl finden würde. Schon hat Persien die Situation genutzt und den westlichen Erdölgesellschaften eine erhebliche Steigerung der Erdölproduktion abgetrotzt.

Von den Vorgängen, in Syrien sind als Hauptanteileigner der IPC betroffen die British Petroleum, ferner eine Holdinggesellschaft von Esso und Mobil, die holländische Shell-Gruppe und die Compagnie Française des Pétroles. Fünf Prozent gehören dem armenischen Multimilliardär Gulbenkian.