E. W., Paris, im Dezember

Die Bundesregierung hat die „konkreten Vorschlage“, die sie für die deutsch-französische Zusammenarbeit unterbreiten will, als Teil ihrer, neuen Ostpolitik dargestellt und damit eine für das Pariser Echo glückliche Formulierung gefunden. Man kann nur wünschen, daß diese Vorschläge vor allem auch für die Wirtschaft, Technik und Wissenschaft gelten, dort also, wo auch die französisch-sowjetische Erklärung nach dem Kossygin-Besuch konkrete Angaben enthielt. Das würde in die gaullistische Europa-Vision passen, aber ebenso in das Dreieck Moskau–Paris–Bonn.

Die Franzosen suchen auf allen Gebieten die Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Nachdem sie dies zunächst in der Währungspolitik, dann in der Strategie durchsetzten, versuchen sie es jetzt in der Technologie. In der Hochleistungstechnik möchten sie durch Kooperation Kenntnisse sammeln und Projekte realisieren, die sie vor der Gefahr der Abhängigkeit gegenüber Amerika schützen. Soweit sie dabei in Westeuropa keine Partner finden, hoffen sie auf Moskau. Auf diesem Wege können eines Tages politische Forderungen der Sowjets neben technischen Angeboten liegen.

Wenn die Bundesregierung den Franzosen auf zwei Gebieten entgegenkommt, sollte sie wenigstens auf einem von ihnen ganz klar eine Gegenforderung anmelden: auf dem einer „beweglicheren Ostpolitik“. Paris drängt Bonn zwar nicht offiziell, aber doch durch alle möglichen Kanäle, diese Beweglichkeit auf das Verhältnis mit Ostberlin auszudehnen. Bonn sollte früh genug klarmachen, daß eine aktive Einstellung zur innerdeutschen Politik nur dann möglich ist, wenn die Verbündeten sie absichern, indem sie bei der bisherigen Abstinenz gegenüber dem DDR-Regime bleiben. Entscheidend ist, daß die DDR für de Gaulle, wie er in Moskau sagte, auch in Zukunft „ein künstliches Gebilde ist, das uns nichts angeht“.