In der vergangenen Woche, am 7. Dezember, wurde von Kap Kennedy aus der erste ATS-Satellit gestartet, ein großes, fast eineinhalb Tonnen schweres Gerät, das mit seinen acht langen UKW-Antennen wie eine Riesenspinne aussieht. Vier weitere ATS-Flugkörper – ATS ist Abkürzung von Applications Technology Satellité – sollen in den kommenden zweieinhalb Jahren auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden. Diese neue Generation von Satelliten wird den Vorsprung, den die Vereinigten Staaten in der unbemannten Raumfahrt vor ihren sowjetischen Konkurrenten im All schon haben, weiter vergrößern. Denn die ATS-Geräte übernehmen alle Aufgaben, die bisher von einzelnen Arten von Erdsatelliten durchgeführt wurden, und noch eine Reihe neuer Aufgaben dazu. Die neuen ATS-Stationen im All werden nicht nur Schwarz-Weiß- und Farb-Fernsehbilder übertragen, die stationären Satelliten nehmen aus einer Höhe von rund 35 000 Kilometer auch jeweils 39 Prozent der Erdoberfläche beziehungsweise der Wolkendecke über ihr auf. Solche Wettersatelli:en, die synchron mit der Erddrehung den Globus umlaufen, so daß sie über einem bestimmten Punkt der Erde stillzustehen scheinen, hat es bislang noch nicht gegeben.

Zum erstenmal wird es bei den neuen Geräten auch möglich, daß mehr als zwei Bodenstationen gleichzeitig ihre Signale über die Satelliten weiterleiten. Ein weiterer Erstversuch, der durch die neuen künstlichen Miniaturmonde möglich wird: Die Herstellung einer Sprechverbindung von einer Bodenstation aus über den neuen Satelliten zu einem fliegenden Flugzeug. Dieser Versuch ist für die zivile und militärische Luftfahrt von größter Bedeutung, da bei Transatlantikflügen die herkömmlichen Funkverbindungen bisweilen bis zu einer Stunde und länger unterbrochen sind.

Mit der ersten „Application-Technology-Satellite“-Serie läuft jetzt auch das „Bio-Satelliten“ – Programm an. Käfer, Wespen, Froscheier, Pflanzen, Schimmel und Bakterien werden im ersten Bio-Satelliten einer dreitägigen Reise durchs All ausgesetzt. Eine Gruppe dieser Lebewesen wird hierbei einer an Bord befindlichen Strahlungsquelle ausgeliefert, die zweite Gruppe, die Kontrollzwecken dient, nicht. Man hofft, auf diese Weise noch mehr über die Auswirkungen der Beschleunigung, der Schwerelosigkeit und der Weltraumstrahlung in Erfahrung zu bringen. Ursprünglich waren sechs Bio-Satelliten vorgesehen, unter anderem sollte auch wieder ein Affe starten, und zwar zu einem dreißigtägigen Rekordflug. Doch während die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde NASA inzwischen schon plant, zwei kleine Schimpansen für ein ganzes Jahr in den Weltraum zu schicken und einen diesbezüglichen Forschungsauftrag an das „Langley Research Center“ im US-Bundesstaat Virginia vergeben hat, sieht es so aus, als ob das Bio-Satelliten-Programm sich seiner Kostspieligkeit wegen einige Abstriche wird gefallen lassen müssen. Anatol Johansen