Muß der rhodesische Rebellen-Premier Ian Smith Anfang nächsten Jahres zurücktreten und einem noch härteren Mann Platz machen? Dieses Gerücht zog in dieser Woche seine Kreise in Südafrika. Das Dementi aus Salisbury folgte auf dem Fuß. In der Tat hat Smith Kabinett und Regierungspartei fest hinter sich. Kein Politiker ist bei den 217 000 weißen Siedlern so populär wie „Good Old Smithy“.

Es hieß, der rechte Flügel der „Rhodesischen Front“ unter Innenminister Harper wolle den Premier stürzen, falls er die rhodesische Verfassung so ändere, wie der britische Premierminister Wilson es vorgeschlagen habe. Smith hatte an Bord des Kreuzers „Tiger“ eingewilligt, der schwarzen Mehrheit des Landes den allmählichen Zutritt zur Herrschaft zu garantieren, doch hatte sein Kabinett es abgelehnt, schon im voraus den Ausnahmezustand aufzuheben, unter dem das Land zur Zeit regiert wird. Der Premier selber bezweifelt, ob die einseitige Verfassungsänderung jetzt noch die Engländer umstimmen würde.

Mit einiger Gelassenheit beobachten die Rhodesier die Debatte vor dem Weltsicherheitsrat. Würden sie sich an die Reden der Delegierten halten, so sähe die Zukunft für Rhodesien düster aus. Die Sowjetunion und Indien forderten, es sollten nicht nur gegen Rhodesien, sondern auch gegen dessen Verbündeten Südafrika bindende Wirtschaftssanktionen verhängt werden. Sambia und eine Reihe anderer afrikanischer Staaten beharrten auf einem totalen Ölembargo.

Jedoch Smith weiß, daß England das Erdöl ausklammern will, um einem Wirtschaftskrieg mit Südafrika zu entgehen. Die britische Regierung ist sogar entschlossen, notfalls ihr Veto einzulegen, wenn die Mehrheit im Sicherheitsrat dem afrikanischen Antrag folger. sollte.

Außenminister Brown behauptete, das Rebellenregime in Rhodesien werde auch ohne Ölembargo den Handels- und Wirtschaftsboykott nicht überleben, wenn alle UN-Staaten ihren Verpflichtungen nachkämen. Das eben ist die Frage. Die Wirksamkeit der Sanktionen hängt davon ab, ob die Vereinigten Staaten mit England durch dick und dünn gehen.

US-Botschafter Goldberg versicherte zwar, die USA wollten all; Macht ihrer Gesetze anwenden. Dann müßte aber Präsident Johnson für jeden einzelnen Boykott die Zustimmung des Kongresses einholen. Dieses ungewöhnliche Vorgehen ist unwahrscheinlich, bedenkt man den Widerstand der Geschäftswelt. Einer der reichsten Männer Amerikas, Charles Engelhard, Herr über viele Gruben in Südafrika und Rhodesien – er soll für „Goldfinger“ Modell gestanden haben – ist mit Johnson befreundet und gehört zu den größten Geldgebern der Demokratischen Partei.

Noch ein anderer Umstand läßt Smith hoffen: In England ist der außenpolitische Burgfriede an Rhodesien zerbrochen. Das Unterhaus erlebte eine seiner stürmischsten Sitzungen, in der sich Labour-Abgeordnete und Konservative wüst beschimpften. Oppositionsführer Heath beschuldigte Wilson sogar, er sei im Begriff, einen Bürgerkrieg zu entfesseln.