Ein Sprengmeister müßte sich in diesem Falle (oben) sagen lassen, daß er sich verrechnet habe, daß ihm aber – wenigstens in diesem Augenblick – ein graphischer Gag gelungen sei. Dieser Gag entstand freilich nicht an der jugoslawischen Küste, wo der Leuchtturm immer noch unversehrt steht, sondern in der Dunkelkammer der Hamburger Photographin Ingeborg Sello. Sie hat experimentiert, weil sie neugierig darauf war, was man mit Farbphotographien – und um sie handelt es sich – alles anstellen kann: „falsche“ Belichtung und „falsche“ chemische Behandlung, Übereinander- und Ineinanderkopieren verschiedener oder gleicher Negative, Verschiebungen (wie mit diesem Turm), Verwendung von Rastern und dergleichen mehr. Ein reines Spiel ohne tieferen Grund. Betrachter, die sich im Dezember in der hannoverschen „Galerie Clarissa“, der einzigen deutschen Photogalerie in der Bundesrepublik, einfinden oder die Austeilung im Januar in der Hamburger Galerie 13 und später im Berliner Europa-Center besuchen, brauchen deshalb eine Frage nicht zu stellen: Was soll es bedeuten? Worum es der Photographin ging, sagt der Titel der Ausstellung: „Experiment und Komposition“. Das Ergebnis dieser geduldigen Versuche mit Farbe und Form überrascht, verwundert, regt an. m. s.