Die Nachricht aus Wolfsburg wirkte wie ein Schock. Daß nun auch das Renommierunternehmen des „Wirtschaftswunders“ Absatzsorgen hat, daß in Nordhoffs Konzern in den nächsten drei Monaten 100 000 Autos weniger gebaut werden, als produziert werden könnten, hat Millionen erschreckt.

Auswirkungen auf die Zulieferbetriebe und die Stahlindustrie werden nicht ausbleiben, die Konjunkturforscher revidieren schon ihre Prognose von der halben Million Arbeitslosen im Winter – „es könnten 600 000 bis 700 000 werden“. Der Kanzler hat es angekündigt: Der Tiefpunkt in der Konjunkturkurve steht uns erst noch bevor.

So unerfreulich diese Aussicht sein mag, zur Panik besteht kein Anlaß. Vergessen wir nicht: Es ist nicht so wichtig, ob wir einmal für ein paar Wochen 100 000 Arbeitslose mehr oder weniger haben – entscheidend ist, daß der Wirtschaft neue Wachstumsimpulse gegeben und damit die drohende Krise abgewehrt wird. Die Sachverständigen, die unter dem Wirtschaftsminister Schiller zu Ehren kommen, haben eine „kontrollierte Expansion“ empfohlen. Der Kredithahn soll wieder aufgedreht werden, aber Sparsamkeit bei den öffentlichen Haushalten und Zurückhaltung in der Lohnpolitik müssen garantieren, daß die Expansion nicht in Inflation mündet.

Wenn nun – mit einem Jahr Verspätung – eine derartige „konzertierte Aktion“ eingeleitet würde, könnte die Stagnation rasch überwunden werden. (Siehe Seite 33: „Wir brauchen Optimismus“). –ze