• "Dahinter steckt der alte Krypto-Faschismus: Ein Häftling muß büßen, daran ist er selber schuld! Der Klingelpütz-Skandal ist ein Modellfall: Ähnlich wie jetzt hat man schon zwischen 1933 und 1945 immer mal was gehört, sogar von Lagern. Die psychologische Reaktion des normalen Deutschen war damals wie heute: ‚Ich weiß es nicht genau, 2. geht es mich nichts an und 3. warum soll ich mich ärgern?‘ Man hat sich im Klingelpütz-Fall lax verhalten. Allerdings erklärt das die Differenz zwischen der Behandlung des Glockefalles in Hamburg und dem Skandal in Köln noch nicht ganz. – In Hamburg kam der Skandal plötzlich auf, während er in Köln in Fortsetzungen lief. Ausgegraben hat ihn ‚Express‘, vor dessen Reporter wir nur den Hut ziehen können. Aber da wußte man nicht genau: Ist das auch seriös? Die Staatsanwaltschaft hat die Vorwürfe ja zuerst auch abgestritten. Und dann kam die Untersuchung nur ganz langsam in Gang. Erfahrungsgemäß tritt da ein Abnutzungsmechanismus in Kraft."

Professor Dr. Wolf gang de Boor

Psychiater:

  • "Nach den Gesetzen der Psychologie ist die geringe Aufmerksamkeit der Kölner nicht verwunderlich: Nur die frische Tat, wo das Blut noch dampft, erregt die Volksseele. Der Häftling Wassilenko ist aber schon einige Jahre tot. Wenn etwas sehr lange stinkt, gewöhnt man sich daran. Daß der Hamburger Fall schneller aufgeklärt wurde, mag auch daran liegen, daß man dort frische Seeluft gewöhnt ist und Gestank mehr auffällt. Außerdem haben nicht wenige Menschen, wenn es um Häftlinge geht, eine Ungeziefer-Theorie: Solche Menschen müssen ausgemerzt werden. Nicht möglich? Aus meiner Arbeit kenne ich das sehr gut."

Professor Dr. Ulrich Klug

Jurist, Direktor des kriminalwissenschaftlichen Institutes an der Universität Köln, erwägt die Konsequenzen, die sich aus einem solchen Fall ergeben müssen:

  • "Im Grunde zeigen solche Vorfälle nur, daß mit einer Strafrechtsreform allein so gut wie gar nichts gewonnen ist, sondern daß damit Hand in Hand eine Reform des Strafvollzuges und der Untersuchungshaft gehen muß. Ein Punkt, der mir dabei besonders wichtig erscheint und den man immer wieder betonen muß: Auch gegenüber jedem Inhaftierten bleiben sämtliche Grundsätze der Verfassung und der Menschenwürde in Kraft.