Drei Ärzte hatte man konsultiert – zu Tode erschrocken, weil er Blut gespuckt hatte und danach nur unter Schmerzen atmen konnte. „Der erst; sagte, daß ich krepieren werde, der zweite, daß ich im Begriffe sei zu krepieren, der dritte, daß ich bereits als krepiert anzusehen sei.“ Als er das einem Freund schrieb, hatte er sich von dem Schiecken schon einigermaßen erholt, auch schien das Schlimmste überstanden: „Mein Befinden aber ist heute wie je.“ Indessen bat er: „Sag niemardem, daß ich krank war, sonst wird wieder darüber geklatscht.“

Vielleicht fürchtete er, seine Darlehnsgeber könnten nervös werden und das ihm geliehene Geld zurückverlangen; um die Reise, auf der er sich befand, finanzieren zu können, hatte er Arbeiten verkauft, die noch gar nicht fertig, ja zum Teil noch nicht einmal begonnen waren. Hinzu kam das Verhalten der Leute in jenem Ort. Sie vermuteten – übrigens zu Recht –, daß er an einer Tuberkulose litt, und hatten eine panische Angst vor Ansteckung. Sie kannten die Krankheit mehr vom Hörensagen, denn auf ihrer Insel hätte es nur sehr wenige Tuberkulosefälle gegeben. Er und die Frau, in deren Begleitung er reiste, wurden aus dem von ihnen gemieteten Haus hinausgeworfen; der Besitzer wollte keinen Schwindsüchtigen beherbergen.

Unterkunft fanden sie in einem Kloster. Daß der Kranke sich wenigstens etwas erholte, ist vor allen dem Widerstand zu danken, den er und die Frau den Forderungen der Ärzte nach Aderlässen and Ansetzen von Blutegeln entgegensetzten. Besonders die Frau war fest davon überzeugt, daß ein einziger Aderlaß ihn töten würde.

Weniger förderlich war für ihn die Mißachtung einer anderen Forderung der Ärzte. Er solle sich ausruhen, hatten sie gesagt. Er aber saß trotz des ständigen Hustens, und obwohl er noch zu schwach war, Spaziergänge zu machen, täglich viele Stunden in der ungeheizten Klosterzelle – sie „hat die Form eines Sarges“, schrieb er – an seinen Arbeiten. Unterdessen erwartete er „voll Sehnsuch: den Frühling oder irgend sonst etwas“.

Aber bevor der Frühling kam, entschlossen sie sich, die Insel zu verlassen und heimzukehren. Noch immer war die Angst der Eingeborenen vor Ansteckung größer als die Hilfsbereitschaft. (Hinzukam, daß sie ihn und die Frau für gottlos hielten, weil sie zwar zusammen lebten, aber nicht verheiratet waren.) Deswegen war es nicht möglich, für ihn einen Kutschwagen zu bekommen. Nur einen ungefederten Karren lieh man ihnen.

Nicht einen Tag wollte er jetzt noch auf der Insel bleiben. Er war bereit, das erste beste Schiff zu nehmen. Ein kleiner Frachter lag zur Abfahrt klar. Der Kapitän nahm ihn auf, auch die Frau, aber da er genauso ängstlich war sich anzustecken, wie die Inselbewohner, stellte er dem Kranken keine Kabine zur Verfügung, sondern brachte ihn völlig unzulänglich in der Nähe der Schweine unter.

Während der Fahrt erlitt der Kranke mehrere Blutstürze. Es bestand akute Lebensgefahr. Daß er durchkam, ist seiner Begleiterin zu danken. Energisch sorgte sie dafür, daß er von einem Kriegsschiff ihres Landes übernommen wurde, auf dem er in ärztliche Behandlung kam. Erst dort gelang es, die Blutungen zum Stehen zu bringen.