Ein Buch zur Ehre des jüdischen Volkes

Von Dietrich Strothmann

Jean-Francois Steiner: Treblinka. Die Revolte eines Vernichtungslagers. Vorwort von Simone de Beauvoir. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg und Hamburg; 348 Seiten, 19,80 DM.

In seinem „Stellvertreter“ ficht Rolf Hochhuth für die These: Seit Auschwitz sei Gott widerlegt. In einem seiner Literatur-Essays gibt Theodor W. Adorno zu bedenken: Nach Auschwitz sei kein Gedicht mehr möglich. Können wir, sollen wir über diesen Ort, über seine Geschichte nicht hinauskommen? Sind die Gaskammern und Leichengruben von Auschwitz ein Schlußpunkt für menschliche Phantasie, gläubige Hoffnung, literarische Anstrengung?

Auschwitz und ein Ende? Ein Ende von Kunst und Frömmigkeit? Hochhuth meinte schließlich nicht irgendeinen Gott, Adorno nicht nur die Lyrik. Glauben überhaupt sei nun ausweglos, fand der eine, schriftstellerisches Mühen allgemein ohne Sinn und Nutzen, postulierte der andere.

Und da ist nun dieses Buch, dieser außergewöhnliche Bericht über ein anderes, nicht minder schreckliches Auschwitz – Steiners wahrheitsgetreue und kunstvolle Geschichte über Treblinka. Es müßte eines der wichtigsten Bücher nach dem Ende von Treblinka werden:

Für die Juden, die Überlebenden und Nachgeborenen – weil hier dokumentiert wird, daß sich die Juden dieses Todeslagers im August 1943 gegen ihre Mörder erhoben und sich nicht wie Vieh zur Schlachtbank führen ließen. Im August des Jahres 1943 begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Juden.