Für Tausende von Akten hat die letzte Stunde geschlagen – sie werden durch den Papierwolf gedreht. Eine Reihe von Ministerien des Bundes und der Länder haben beschlossen oder erwägen, alte Akten nicht länger aufzubewahren. Nach einer gewissen Zeit – in der Regel fünf Jahre – werden die Unterlagen nur noch sehr selten gebraucht. Freilich werden sie dann nicht ersatzlos vernichtet, aber es gilt auch nicht der Behördenwitz: „Die Akten können erst vernichtet werden, wenn beglaubigte Abschriften davon gemacht sind!“ Heute genügt es, sie auf Mikrofilm aufzunehmen, wodurch ganz erhebliche Einsparungen möglich sind.

Bis zu 98 Prozent des Raumes, den man für die Aufbewahrung der Akten braucht, läßt sich durch Mikrofilm sparen. Angesichts der hohen Bau- und Mietpreise schlägt sich das schnell in baren Geldersparnissen nieder. Freilich gibt es in der Verwaltung noch Widerstände gegen die Modernisierung durch Mikrofilm; viele Behörden mißtrauen den Kameras, bezweifeln die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Verfahrens – oder scheuen einfach die Umstellung.

In manchen Behörden sollen heute noch Räume als Aktenkeller zweckentfremdet werden, die als Garagen gebraucht würden. Goldgruben als Papiergräber – das dürfte nicht mehr vorkommen. Der Mikrofilm kann ebenso beweiskräftig sein wie die Originalschriftstücke; die nachträgliche Fälschung ist bei ihm sogar schwieriger. Es gibt vielfach erprobte Vorschriften für die ordnungsgemäße Verfilmung; daß sie beachtet worden sind, kann man an Hand der Filme selbst nachprüfen. Auch der Gesetzgeber hat dem Mikrofilm seine Salonfähigkeit schon (im August 1965) bestätigt: wer nach Handels- oder Steuerrecht seine Korrespondenzen, Buchungsbelege oder sonstigen Geschäftspapiere aufbewahren muß, braucht nicht mehr die Originale verstauben zu lassen, sondern kann die kleinen Filmrollen in einen Geldschrank legen.

Der Bürger, der eine sparsame Verwaltung wünscht, kann nur hoffen, daß recht viele Behörden sich zu solcher Rationalisierung entschließen. H. P. B.