Eine Senkung der Benzinpreise in den Gebieten, die von der Preisherabsetzung im August ausgenommen waren, hat die ZEIT in ihrer letzten Ausgabe gefordert. Doch kaum hatte die Rotation die ersten Exemplare des Wirtschaftsteils gedruckt, da flatterte eine Pressemitteilung der Esso auf den Tisch. Überschrift: „Esso senkt Benzinpreise erneut.“

Den Bräuchen des Marktes entsprechend folgten die übrigen Markengesellschaften dem Beispiel der Esso – die dritte Preissenkungswelle des Jahres erfreute die Kraftfahrer. Warum sie kam, erfährt man ebenfalls aus der Esso-Pressemitteilung: „in Anpassung an die Wettbewerbsverhältnisse.“

Analysiert man die Motive der drei Preissenkungsaktionen – von denen nur die erste eine generelle Preissenkung war –, dann kommt man zu folgendem Ergebnis:

  • Bei der ersteil Preissenkung wurde die Luft aus den Preisen gelassen. Der aus der Sicht der Konzerne beängstigende Zuwachs der freien Tankstellen sollte aufgehalten werden.
  • Als sich das Ausmaß der ersten Preissenkung als zu gering erwies, um die „Freien zu stoppen, sich eine weitere generelle Verbilligung jedoch wegen der Ertragslage verbot, kam die zweite gezielte Preissenkung, die sich an den Preisen der freien Konkurrenz orientierte.
  • Die jetzige Preissenkung schließlich ist teils eine Folge der zweiten, teils ein Verdienst des Bundeskartellamtes.

Die starke Differenzierung der Preise – in Hamburg etwa war Normalbenzin um 5 Pfennig je Liter teurer als in Essen – schürte die Konkurrenz unter den Markentankstellen selbst, sie erweckte aber auch das Interesse der Berliner Wettbewerbshüter. Die Kraftfahrer machten sich sehr bald die Preisunterschiede zunutze und tankten in den Brennpunkten des Wettbewerbs – die Tankstellen an der Peripherie trockneten aus. Und das Kartellamt wunderte sich über die Preisdifferenzen.

Ehe es zu gesetzlichen Schritten kam und ehe die Tankstellen am Rande der großen Städte völlig verödeten, wurden die Preise wieder gesenkt. Aber es gibt einen weiteren Grund für diese Eile: Vom 1. Januar nächsten Jahres an wird die Mineralölsteuer um drei, Pfennig je Liter erhöht. Außerdem wird die Umsatzsteuer für die Tankstellen geändert, so daß die fiskalische Belastung je Liter Benzin um 4,3 Pfennig steigt.

Nun wäre es sehr praktisch gewesen, die Preise an den Zapfsäulen am 1. Januar neu einzustellen. Preissenkung runter, Steuerhöhung drauf – das hätte den neuen Preis gegeben. Aber die Mineralölgesellschaften wollten wohl den Konsumenten deutlich machen, daß es der Staat ist, der das Benzin verteuert.

Wenn nur die Steuererhöhung weitergegeben wird, dann kostet Benzin an den billigsten Markentankstellen vom 1. Januar an 52,8 Pfennig und ist damit immer noch billiger als vor einem Jahr. hgk.