Am ersten Donnerstag des neuen Jahres, am 5. Januar, wird Werner Böhme 20 tatendurstige Herren in ihren neuen Aufgabenbereich einführen, bevor sie mit einer firmeneigenen Flotte nagelneuer Ford-17M-Autos in die Bundesrepublik ausschwärmen. Die deutsche Uhrenindustrie – aber auch die Schweizer Konkurrenz – sieht diesem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Nach einem vielversprechenden Aufgalopp geht Timex im Rennen um den Großen Preis des Uhrenmarktes 1967“ als Favorit an den Start.

Werner Böhme, Geschäftsführer der Lacher & Co. AG in Pforzheim, ist entschlossen, dem deutschen Käufer zu zeigen, was auf dem Uhrenmarkt die Stunde geschlagen hat. In großflächigen Anzeigen – das Bild zeigt eine Männerfaust mit einer Timex-Uhr als Schlagring – läßt er verkünden: „Wir machen Ernst...“

Wie ernst es den Amerikanern ist, in den deutschen Markt für Armbanduhren einzubrechen, haben die Timex-Leute im abgelaufenen Jahr gezeigt. Vornehmlich auf Nordrhein-Westfalen beschränkt, haben sie schätzungsweise 120 000 Uhren abgesetzt und damit auf Anhieb etwa 7,5 Prozent des nordrhein-westfälischen Marktes erobert.

Der Test in einem Bundesland genügte, die deutsche Armbanduhrenindustrie die Faust im Nacken spüren zu lassen. Und in mancher Pforzheimer Werkstatt tauchte die bange Frage auf, wem nun wohl die Stunde schlägt.

Im kommenden Jahr ist es just 200 Jahre her, daß die mit praktischem Geschäftssinn begabte Markgräfin Louise auf den Gedanken kan, die unter ihrer Obhut stehenden Kinder im Pforzheimer Waisenhaus könnten mit ihren flinken Fingern doch eigentlich Uhren zusammenbauen. Seitdem, lebt die Stadt an der Enz von der Uhr. Heute werden in 165 Betrieben, in Hinterzimmern ebenso wie in Fabrikhallen, Taschen- und Armbanduhren montiert.

Auf die Geschicklichkeit ihrer Remonteure sind die Pforzheimer mit Recht stolz, denn in der Branche geht der Slogan um: „Ein Schweizer Werk in Pforzheim montiert, ist die beste Uhr der Welt.“ Der Remonteur ist die Schlüsselfigur der Uhrenindustrie; er setzt die 132 Teile einer Uhr von A bis Z zusammen.

Es gehört zu den Eigenheiten der Uhrenindustrie, daß kein Unternehmen, alle Teile einer Uhr herstellt. Es gibt Fabriken für Rohwerke, für Uhrensteine, für Gehäuse, für Zifferblätter, für Zeiger, für Aufziehkronen und schließlich für Bänder. Im Remontagebetrieb entsteht dann aus den Teilen der verschiedenen Zulieferanten die Uhr. Nur drei Firmen in der Bundesrepublik – Junghans, Kienzle und Laco – verarbeiten eigene Rohwerke.