Wer hat zum Steuerbogen den Text erfunden? fragte Joachim Ringelnatz. An seine Verse wird man erinnert angesichts des Fragebogens zur Neufestsetzung der Einheitswerte für Grundvermögen. Von ihnen galt und gilt, was Ringelnatz in der zweiten Strophe schrieb: Du liest den Text. Du sinnst, du spinnst. Du grinst – „welch Rind’s“ – und du beginnst wieder und wieder. – Eisigkalt kommt die Vision dir „Heilanstalt“.

Das war die Situation bis zum 15. Dezember. Aber da rafften sich die Finanzminister der Länder und des Bundes einen halben Monat vor Toresschluß auf, wenigstens die Seite vier, die der Feindiagnose des inneren Zustands von „Baulichkeiten“ diente, etwas menschenwürdiger zu formulieren. Wer unter Schweiß und Tränen seinen Bogen schon abgeliefert hat – ein Drittel der „Pflichtigen“, so hört man – ist um das späte Sündenbekenntnis der Finanzminister betrogen. Wer den Bogen noch nicht abgeliefert hat, muß sich den neuen selbst vom Finanzamt holen.

Was, so muß man fragen, tun denn nun die Finanzbehörden mit zweierlei Fragebogen? Wie wird die Aufgabe gelöst, Informationen, die einmal aus grobem Sieb und das andere Mal aus feinem Sieb herausfallen, einheitlich für die Datenverarbeitung zu präparieren? Entsteht etwa dem säumigen „Pflichtigen“ daraus ein Vorteil, daß er sein Haus nicht so haargenau beschreiben mußte wie sein Nachbar, der die Sache möglichst schnell hinter sich haben wollte?

Der Fragebogen war schlimm genug. Das komödienhafte Nachspiel, das die Finanzminister ihm widmeten, zeugt von später Einsicht – vertrauenerweckend ist es nicht. hf