Von Gottfried Sello

Deiner muß ich gedenken,

Elzheimer, der mir zuerst

So die Natur gezeigt.

Mit dieser Strophe huldigte Ludwig Tieck dem Maler der Nachtstücke und nahm damit den enthusiastischen Ton auf, den Goethe 1776 in seiner Schrift „Nach Falkonet und über Falkonet“ angeschlagen hatte. „Jeder Mensch hat mehrmals in seinem Leben die Gewalt dieser Zauberei gefühlt, die den Künstler allgegenwärtig faßt, dadurch ihm die Welt ringsumher belebt wird ... Töricht von einem Künstler zu fordern, er soll viel, er soll alle Formen umfassen ...“

Seltsam erscheint an diesen schwärmerischen Falkonetnotizen, daß Goethe in seinen Rembrandt-Enthusiasmus auch Elsheimer einbezieht, in dem er die Naturzüge wiederfindet: Vertraulichkeit, Bedürfnis, Innigkeit, die in der Hütte und nicht in akademischen Prunkgebäuden wohnen – Jupiter im Großvaterstuhl, Merkur auf einem niederen Lager, der Göttervater ein Bild an der Wand betrachtend, „wo er einen seiner Liebesschwänke, durch Merkurs Beihilfe ausgeführt, klärlich abgebildet sieht. Wenn so ein Zug nicht mehr wert ist als ein ganzes Zeughaus wahrhafter antiker Nachtgeschirre, so will ich alles Denken, Dichten, Trachten und Schreiben aufgeben.“

Intuitiv hat Goethe zwischen Elsheimer und Rembrandt einen Zusammenhang hergestellt, der durch die Wissenschaft inzwischen nachgewiesen wurde. Die Linie läuft einmal über Pieter Lastman, der in Rom Schüler von Elsheimer war und der Lehrer von Rembrandt wurde, zum andern über Hendrik Goudt, der Bilder von und Stiche nach Elsheimer nach Holland importierte. Rembrandt hat Arbeiten von Elsheimer gekannt und besessen.