Hamburg

Für das Krankenhaus kam jede Hilfe zu spät. Als die Presse – von empörten Hafenarbeitern informiert – am Tatort eintraf, zermalmte der Müllbagger gerade die letzten Röntgengeräte, Operationsbestecke und Zahnarztstühle – alles Bestandteile einer neuen, in Kisten verpackten Feldlazarettausrüstung. Statt eines Hilferufs konnten die Zeitungen am nächsten Tag nur noch einen Nachruf veröffentlichen. Das Klinikgerät landete auf dem Müll.

Seit zehn Jahren hatte es auf dem Rosinenboden eines Lagerschuppens im Hamburger Hafen gelegen und auf einen Abnehmer gewartet. Der Besitzer, ein in Hamburg lebender persischer Teppichimporteur, erstand das Feldkrankenhaus 1956 bei einer Versteigerung von US-Heeresbeständen. Er zahlte 25 000 Mark für die Geräte und Medikamente, deren Neuwert rund drei Millionen Mark betrug.

Schon bald mußte der Kaufmann allerdings feststellen, daß der Bedarf der Hilfsorganisationen an Klinikgerät offenbar gedeckt war. Auf seine Angebote erhielt er negative Antworten.

Verdienen konnte währenddessen nur die Hamburger Speditionsfirma, bei der das Lazarett lagerte. Bis zum Herbst dieses Jahres hat der persische Kaufmann 180 000 Mark Unkosten gehabt. Im Laufe der Jahre war auch die Aussicht immer mehr geschwunden, daß sich noch ein Käufer finden würde, denn inzwischen waren die medizinischen Geräte teilweise veraltet.

Als vor einem Jahr im Rahmen der humanitären Hilfe die Bundesregierung zu einer Medikamentensammlung für Südvietnam aufrief, schien dem Perser die Gelegenheit günstig, sich selber zu helfen. Um sich der ständigen finanziellen Belastung zu entledigen, bot er die Klinik in Bonn an. Dort hatte man die Spende kaum angenommen, als der Kaufmann sein Angebot wieder zurückzog: Das Rote Kreuz seiner persischen Heimat schien ihm ihrer dringender zu bedürfen.

Doch auch im Iran wartete man vergebens auf die willkommene Spende. Obgleich eine Reederei sich bereit erklärt hatte, die Klinikausrüstung für die halbe Frachtrate in den Nahen Osten zu verschiffen, waren die Zoll- und Versandformalitäten so umfangreich, daß der vielbeschäftigte Perser zurückschreckte.