• "Traum und Wirklichkeit" (Köln, Galerie Gmurzynska): Namen wie Hans Bellmer, Paul Delvaux und Friedrich Schröder-Sonnenstern deuten an, in welcher Richtung sich die Träume der ausgestellten Traumkünstler mit Vorliebe bewegen. Ob man sie als neue Phantasten oder Neufigurative oder noch immer wie eh und je als Surrealisten tituliert: sie bevorzugen erotische Traumspiele. Aber muß man Bellmer und Schröder-Sonnenstern zusammenbringen, muß man dem Betrachter zumuten, nur weil beide sich mit dem gleichen Sujet befassen, die subtilen und charmanten Zeichnungen von Bellmer neben dem wüsten Infantilismus von Schröder-Sonnenstern zu sehen (die Galerie Gmurzynska verdankt Bellmer ihren bisher größten Verkaufserfolg, die Kestner-Gesellschaft plant für April 1967 eine umfassende Kollektivschau). Bellmer ist hier mit zwanzig Zeichnungen vertreten, darunter einige sehr gesuchte Blätter aus den frühen vierziger Jahren.

Die Kölner Ausstellung bringt ein reichliches Gemenge von surrealer Spreu und Weizen. Die Altmeister sind mit teils großartigen Beiträgen aus der Klassik des Surrealismus zu sehen: Salvadore Dali mit dem gezeichneten "Doppelporträt von Gala", 1934, Picabia, Miró, Max Ernst mit neueren Ölbildern ("Mond mit Schleifchen"), René Magritte mit getuschten Collagen. Hervorragend der Prager Adolf Hoffmeister, der Pole Jan Lebenstein, der Kubaner Wilfredo Lam, der Jugoslawe Dado, dessen eminentes Zeichentalent schon auf der letzten documenta aufgefallen war, bei den Deutschen Battke, Bernhard Schultze, Ursula, Richard Oelze. Die jüngste deutsche Phantastengeneration repräsentiert mit großformatigen Zeichnungen Hartmut, Lincke. Freddie aus Kopenhagen, Göranson aus Schweden beweisen, daß die phantastische Welle auch schon Skandinavien erreicht hat. Auf die phantastischen Realisten aus Wien wurde verzichtet, man kann sie verschmerzen. Alles in allem rund 150 Arbeiten von 38 Künstlern, bis zum 15. Januar. Gottfried Sello