Die westliche Flanke der NATO verläuft heutzutage etwas östlich von Hawaii. Mitdieser Feststellung überraschte der amerikanische Außenminister Dean Rusk seine Kollegen aus den vierzehn Partnerstaaten des Atlantikpaktes, die sich zum letzten Male zu einer Ratstagung in Paris versammelt hatten. Wenn China Anfang der siebziger Jahre über einsatzfähige Interkontinentalraketen verfüge, seien die Westküste der USA und Kanada der Gefahr eines chinesischen Angriffs ausgesetzt. Kernsatz der Allianz sei, daß die Mitglieder einem Verbündeten automatisch zur Hilfe eilen, wenn er unschuldiges Opfer einer Aggression wird.

Viele der Außenminister runzelten die Stirn ob solcher Aussichten. Etliche Diplomaten der NATO fanden, Rusk habe de Gaulle in die Hände gespielt, der immer für eine unabhängige Rolle Europas plädiert hat, damit es nicht auf dem Umweg über die NATO in einen asiatischen Krieg verwickelt würde.

Das große Thema der Konferenz war die Ost-West-Entspannung, der nach Aussagen Dean Rusks auch der Krieg in Vietnam nicht mehr im Wege steht. Italien schlug vor, die NATO-Länder sollten bei ihrer technisch-wissenschaftlichen Zusammenarbeit auch an den Einschluß kommunistischer Länder denken.

Gelassen nahm die NATO die Meldung aus Moskau hin, daß der sowjetische Verteidigungsetat 1967 den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt erreichen wird. Zwar hat der sowjetische Finanzminister Garbusow die Erhöhung des Militärbudgets mit dem Krieg in Vietnam begründet, doch wurde sie vermutlich auch durch die Spannungen an der sowjetisch-chinesischen Grenze verursacht.

Mit einer encspannnungsfrendigen Rede sicherte sich der neue Bundesaußenminister Willy Brandt einen erfolgreichen Auftritt. Auch Bundesverteicigungsminister Schröder vermeldete eben Erfolg: Der Bundesrepublik wurde endgültig ein Mitspracherecht bei der Planung einer nuklearen Verteidigung zuerkannt.