Bonn, im Dezember

Siebenhundert Funktionäre der SPD – von der Bonner Spitze bis hinunter zu den Unterbezirksverbänden versammelten sich am Wochenende in Godesberg zu einem „kleinen Parteitag“. Die SPD-Führung wollte sie über die Absichten und Ziele der Partei in der Koalition instruieren. Es zeigte sich: Die Grundstimmung war positiv, die Führung hat sich durchgesetzt.

Wehner und Brandt begründeten noch einmal den neuen Kurs. Nur die beiden stärksten Parteien zusammen seien imstande, die durch die Wirtschafts- und Finanzkrise aufgerollten Fragen zu lösen, erklärte Wehner. „Wir sind keine Beifahrer der deutschen Politik“, beruhigte Willy Brandt die Skeptiker. Aber die SPD dürfe sich nicht „im Vergangenen verlieren, sondern sie müsse Zukünftiges planen“. Sie dürfe sich auch nicht „an Personen über Gebühr ereifern“ (Anspielung auf Strauß), sondern müsse „in der Sache und der Sache wegen vorankommen“.

In ihrer hundertjährigen Geschichte ist die SPD nur 50 Monate in der Regierung gewesen, stellte Brandt fest. Das habe begreiflicherweise die Grundhaltung ihrer Mitglieder geprägt, und deshalb komme es vielen ungewohnt vor, daß sich die beiden Rivalen, die noch vor kurzem so sehr miteinander gestritten haben, nun zur Zusammenarbeit bereit fanden. Doch versicherte Brandt auch, die SPD werde sich um die gemeinsame Aufgabe bemühen, ohne den eigenen politischen Standort aufzugeben; die „langfristige Kontinuität“ ihrer Parteipolitik bleibe gewahrt. R. S.