Walter J. Schütz (Hrsg.); Aus der Schule der Diplomatie; Econ-Verlag, Düsseldorf, 712 S., 36,– DM

Festschriften sind oft triste Sammelsurien, Abladeplätze von Unzusammengehörigem. Dieses Werk macht eine rühmliche Ausnahme. Es ist dem früheren Botschafter Peter H. Pfeiffer gewidmet, der nach dem Kriege die „Diplomatenschule“ in Speyer gründete und ihr erster Leiter war, ehe er Chef der Personalabteilung im Auswärtigen Amt Und später Inspekteur des Auswärtigen Dienstes wurde; seine Schüler haben es ihrem Mentor zum 70. Geburtstag auf den Gabentisch gelegt. Gewiß, da wird nicht nur Zuckerbäckerei geboten, dem Leser wird auch manches Stück schriftstellerischen Schwarzbrotes zugemutet. Aber der nützlichen, der achtbaren und sogar der brillanten Beiträge enthält der umfängliche Band doch so viele, daß man mit Interesse und Profit darin liest – und dabei Hochachtung vor dem intellektuellen Profil unserer Diplomaten gerade der mittleren Generation gewinnt.

Die rund fünf Dutzend Beiträge gelten einem weitgefächerten Themenkreis. Persönliche Erinnerungsblätter treten dabei wohltuend in den Hintergrund; so ist aus der Festschrift mehr geworden als eine Veröffentlichung von begrenzt amtsinternem Interesse. Der Akzent liegt auf den „Sachfragen“, wie man im Deutsch der Großen Koalition wohl sagen müßte: Diplomatie als Handwerk; Außenpolitik und Demokratie; Souveränität Und Supranationalität; Fragen des Rechts, der Kulturarbeit, der Ideologie; Sicherheit und Abrüstung.

Sollen unsere Diplomaten Universalisten sein oder Spezialisten? Wie reich sind sie eigentlich? Was ist von der Besuchsdiplomatie zu halten? Welche Möglichkeiten außenpolitischer Planung gibt es? Brauchen die supranationalen Behörden einen anderen Typ von Diplomat als die nationalen? Welche Bedeutung hat das Kulturelle in den auswärtigen Beziehungen?

Das sind nur einige der angeschnittenen Probleme. Die Autorenliste enthält eindrucksvolle Namen: Herwarth und von Hase; Schnippenkötter, von Staden, Osterheld; Ross und Sattler; Theodor Schieder und Carlo Schmid. Auch begegnet man mancher unerwarteter Paarung von Verfasser und Thema: Der NATO-Referent Ulrich Scheske philosophiert über die altchinesischen Kriegslehren Sun Tzus; Hans Michael Ruyster, Konsul in Alexandria, setzt sich in einem eleganten und glänzend fundierten Essay mit Arnold Gehlens Begriff des Intellektuellen auseinander.

Zwischen den Zeilen gelingt ihm dabei der Beweis, den die ganze Festschrift bekräftigt: daß die intellektuell-literarische Tradition des Auswärtigen Dienstes keineswegs abgestorben ist.

Theo Sommer