1965 war für die Großbetriebe des Einzelhandels ein goldenes Jahr. Fast alle konnten sie Wachstumsraten erzielen, die erheblich über dem Durchschnitt des Einzelhandels lagen. Die fünf Umsatzmilliardäre, für die exakte Angaben vorliegen, erhöhten ihren Absatz zusammen um 1,6 Milliarden Mark. Stark expandierten wieder die Versandhäuser. Allerdings nicht so sehr auf ihrem eigentlichen Gebiet, sondern hauptsächlich im Ladengeschäft. Die drei größten der Branche – Quelle, Neckermann und Schwab – bauten ihr Kaufhausnetz weiter aus und erschlossen dabei neue Standorte, wo die älteren Warenhausunternehmen vorsichtig vorgingen. Die Versandhäuser beteiligten sich an der Gründung von Einkaufszentren in den Vororten der Großstädte. Quelle und Hertie sind beispielsweise im 1966 eröffneten Einkaufszentrum in Hamburg-Osdorf vertreten. Auch an den Shopping Centers an verkehrsgünstigen Standorten vor den Toren der großen Städte sind diese Unternehmen interessiert. Diese Standorte werden von den Warenhausunternehmen – sieht man von Hertie ab – noch mit großer Zurückhaltung betrachtet. Der Strukturwandel im Einzelhandel wirkt sich auch bei den Konsumgenossenschaften immer stärker aus. Das zeigt sich einmal daran, daß sie sich Filialunternehmen wie die Herbert Eklöh GmbH angliedern und vor allem daran, daß auch bei ihnen die Konzentration auf größere Unternehmenseinheiten fortschreitet. Diese Politik wird auch von den großen Einkaufsgenossenschaften wie Edeka und Rewe den freiwilligen Ketten (Spar, VIVO usw.) mit Energie und Erfolg betrieben. In unserer Tabelle sind diese Selbsthilfeorganisationen aber nicht aufgeführt, da es sich bei den angeschlossenen Einzelhändlern um selbständige Kaufleute handelt.

Hans-Jürgen Schulz