In den letzten Monaten haben wir uns, meine verehrten Leser, schon zweimal mit den in Berlin gebotenen besonderen Möglichkeiten der Kapitalanlage befaßt. Kurz vor Jahresschluß möchte ich Sie nun auf den DeGeWo-Fondes III aufmerksam machen, der in seiner Konstruktion anderen Immobilienfonds gleichkommt, aber – da er seine Tätigkeit auf Berlin beschränkt – höhere Abschreibungsmöglichkeiten als westdeutsche Fonds bietet.

Die Welle der Immobilienfonds-Gründungen hat ihren Höhepunkt augenscheinlich noch nicht erreicht. Kein Wunder, denn die Kapitalknappheit zwingt die Bauwirtschaft nach Wegen zu sinnen, wie man zu Geld kommt. Da die Kapitalkräftigen bereits in den letzten Jahren durch Direktanlagen in Immobilien von den steuersparenden Möglichkeiten weitgehend Gebrauch gemacht haben und daher diese Finanzierungsquelle heute erheblich spärlicher sprudelt, mußte man sich nach neuen Interessenten umsehen. Sie wurden in jenen Sparerkreisen gefunder, die mangels finanzieller Potenz nicht in der Lage sind, Objekte allein zu finanzieren, aber dennoch von den steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten profitieren oder sich eine substanzgesicherte Anlage schaffen wollen. Der „geschlossene“ Immobilienfonds, in dem eine Gruppe von Sparern gemeinsam bestimmte Objekte finanzieren, wurde als gangbarer Weg ausfindig gemacht. Daß auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt, brauche ich Ihnen, meine verehrten Leser, nicht besonders zu sagen.

Deshalb vorweg auch eine kurze Vorstellung der DeGeWo Fonndsverwaltung. Sie wird getragen von der Deutschen Gesellschaft zur Förderung des Wohnungsbaues, gemeinnützige Aktiengesellschaft. Hierbei handelt es sich um ein städtisches Wohnungsbauunternehmen, das sich voll im Besitz der Stadt Berlin befindet. Ein Berliner Senator führt den Vorsitz im Aufsichtsrat. Treuhandbank ist die Berliner Bank AG, ebenfalls ein städtisches Unternehmen mit einem vorzüglichen Ruf in der westdeutschen Bankwelt. Sie führt nicht nur das Treuhandkonto sondern hat darüber auch noch andere Kontroll- und Mitwirkungsfunktionen. Von dieser Seite her sind sämtliche Risiken abgedeckt.

Der DeGeWo-Fonds III wird mit einem Zertifikatskapital von 2,333 Millionen Mark zur Zeichnung aufgelegt. Er wird im Bezirk Wedding 140 Wohnungen im öffentlich geförderten Wohnungsbau mit Gesamtkosten von etwa 7,775 Millionen errichten. Auf diese Summe errechnen sich für den Zertifikatsbesitzer die Abschreibungen. Sie betragen in den ersten beiden Jahren zweimal 10 Prozent, 10 Jahre lang 3 Prozent, danach 2,5 Prozent. Das Objekt ist in 52 Jahren voll abgeschrieben. Die Fondsverwaltung teilt den einzelnen Zertifikatsbesitzern jährlich mit, wie hoch die Abschreibungen sind, die auf seinen Anteil entfallen.

Dazu eine Daumen-Rechnung: Wenn Sie 12 000 Mark zeichnen (der Mindestbetrag liegt bei 500 Mark), können Sie in 12 Jahren etwa 15 000 Mark von Ihrem steuerpflichtigen Einkommen abziehen.

Das Beispiel mit den 12 000 Mark habe ich deshalb gewählt, weil Ihnen dieser Betrag einen Anspruci auf eine Wohnung für Sie selbst oder einen Familienangehörigen sichert, sofern Sie oder der Familienangehörige wohnberechtigt im öffentlich geförderten sozialen Wohnungsbau sind. Eine Beigabe, von der jedoch nur wenige Gebrauch machen können.

Den Zertifikatsinhabern wird ihre Direktbeteiligung an dem Objekt grundbuchlich eingetragen. Das bedeutet allerdings, daß beim Verkauf der Zertifikate Grunderwerbsteuer fällig wird. Andererseits erlaubt diese Konstruktion, daß die Zertifikate mit Bausparguthaben auch vor Ablauf der Sperrfrist Steuer- und prämienunschädlich erworben werden.