Daß man in Hamburg Weihnachtsbäume mieten kann, anstatt zu kaufen, scheint eine vernünftige Sache zu sein. Ohnehin verschwinden ganze Wälder in städtischen Wohnzimmern. Und wo enden sie? Es ist, als ob das Wort „Respice finem“ die Geschäftsleute auf die Idee gebracht hätte, dafür zu sorgen, daß die kleinen Tannen das holde Weihnachtsfest überleben. Die Bäumchen werden mit Wurzeln und Erde geliefert und nach dem Fest wieder abgeholt, so daß sie im nächsten Jahr wieder zur Verfügung stehen, jeweils in größere Wohnungen einkehren und sich zu erfahrenen Weihnachtsbäumen emporentwickeln können, denen so leicht ein Zimmerbrand nicht mehr passieren mag.

„Bedenke das Ende!“ – So also ermuntert diese philosophische Warnung viele Leute, Baum-Mieter anstatt Baum-Eigner zu werden. Doch als ich zwischen den Topf-Tännchen am Hamburger Jungfernstieg stand, vernahm ich, daß die zur Miete Entschlossenen nicht so sehr ans Schicksal der Bäume als an ihr eigenes dachten.

Ja, so ein Weihnachtsbäumchen – man kriegt’s leicht in die Wohnung hinein. Doch wie wieder heraus? Wer schafft sich schon im Hinblick auf das friedliche Christfest ein Beil oder eine Säge an? Und hätt’ ich den Tannenbaum schon kaputt, so fehlt mir am Ende ein Kamin oder ein Küchenherd,der nicht mit Gas oder elektrischem Strom betrieben wird, sondern noch eine Feuerstelle hat. Welche Plackerei!

In Paris, wo zwar die Tannenbäume im Vormarsch sind, die Weihnachtsmänner aber auf der ganzen Front schon längst gesiegt haben, kann man in diesem Jahre den „Père Noel“ in Hunderten von Exemplaren mieten. Es handelt sich um Studenten, die zum Preise von 50 Francs, angetan mit Bart und Pelz und rotem Ornat, in den Wohnungen erscheinen, die Kinder ermuntern, brav zu sein, und sich im strahlenden Familienkreis photographieren lassen. Sie sind überzeugt, daß sie Mann für Mann in der Christnacht zehn Besuche erledigen werden. Den Gewinn wollen diese studentischen Weihnachtsmänner dann an eine Fürsorge-Stelle weiterreichen, die kranke Kinder betreut. Dieses gute Werk begannen sie mit der Verpflichtung, nirgendwo einen Tropfen Alkohol, nicht einmal ein Gläschen Champagner oder Wein, anzunehmen.

Dies läßt mich an die Tatsache denken, daß man vormals in Pariser Straßen bärtige Symbolfiguren treffen konnte, die über den Durst getrunken hatten und Lieder von höchst zweifelhaftem Inhalt sangen. Man konnte in den Pariser Zeitungen ferner lesen, daß die Polizei schon wieder einen „Père Noel“ geschnappt habe, der nicht Zuckereien, Nüß’ und Mandelkern’, sondern Einbruchswerkzeuge und allerlei Diebesgut unterm Mantel trug.

Demgegenüber ist das neue Mietverfahren geeignet, das Ansehen des Weihnachtsmannes zu heben. Es war auch hohe Zeit.