Erste Planung überholt – Sportliches muß dominieren

Von Adolf Metzner

Willi Daume sprach es deutlich aus: Man sei schon „im Verzug“ und müsse sich nun beeilen. Gemeint waren die Münchener Olympiabauten, die noch nicht über Reißbrett und Modell hinaus gediehen sind.

In Rom hatte das erfolgreiche Duo Daume/Vogel den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees mit dem Slogan von der „Olympia der kurzen Wege“, das man in der blau-weißen Metropole durchzuführen gedenke, imponiert. Die Olympischen Spiele sollten wieder auf einem Gelände konzentriert und damit wieder überschaubar werden. In Rom 1960 und Tokio 1964 lagen zermürbende, zeitraubende Fahrten zwischen dem olympischen Dorf und den einzelnen Kampfstätten, über die besonders die Aktiven und Offiziellen stöhnten. Auch durch die neugebauten Schnellstraßen konnten die „langen Wege“ nicht sehr verkürzt werden. Besonders in Japan gab es selbst für touristisch versierte europäische und amerikanische Besucher wahre Taxi-Odysseen, weil die oft aus der Provinz gekommenen Fahrer nicht ein einziges Wort Englisch verstanden.

Aber nun hat sich bei der letzten Sitzung des Organisationsausschusses für das Münchener Olympia gezeigt, daß die bis jetzt vorliegenden Pläne, die sehr rasch entstanden sind, weil man plötzlich in Rom bei der entscheidenden IOC Sezession im Frühjahr mit ihnen operieren mußte, durch neue, bessere ersetzt werden müssen. Gerade die „kurzen Wege“, das nahe Beieinander der verschiedenen Kampfstätten, bringen jetzt die Sorgen. Die projektierten Wege waren nämlich so kurz, daß auf dem Oberwiesenfeld 1972 ein einziges Menschengewühle entstanden wäre, und so wird man nun etwas auseinanderrücken. Das heißt: Neue Pläne müssen her und dann ein Wettbewerb, und das bedeutet Zeitverlust und Verschiebung der gesetzten Termine.

1916: Die kürzesten Olympiawege

Die kürzesten Wege, die es jemals geben sollte, waren übrigens schon für die Olympischen Spiele 1916 in Berlin vorgesehen. Der Architekt, der „alte“ March, hatte Fußballfeld, 600 Meter lange Aschenbahn und drumherum das Zementband für die Radrennfahrer und gegenüber der Kaiserloge noch das Schwimmbecken ineinander geschachtelt. Ergebnis: Ein Stadion mit miserabler Sicht für einen Großteil der Zuschauer. Der Sohn, Werner March, vermied die Fehler des Vaters, wobei er natürlich von der inzwischen fortgeschrittenen Entwicklung profitieren konnte. Er verbannte die Radrennbahn, errichtete das Schwimmstadion außerhalb und ließ die Zuschauerränge in viel steilerem Winkel ansteigen.