FÜR in die Jahre (und zu Geld) gekommene Märchenkinder –

Charles Perrault: „Märchen aus älter Zeit“, illustriert von Gustave Doré; Verlag Müller und Schindler, Plochingen; 148 S., 45,– DM.

Charles Perrault: „Märchen“, neu erzählt von Moriz Hartmann, illustriert von Gustave Doré; Broschek Verlag, Hamburg; 162 S., 54,– DM.

ES ENTHÄLT die Ausgabe Von Müller und Schindler die Märchen „Die schlafende Schöne im Walde“, „Das Rotkäppchen „Der Blaubart“, „Meister Kater oder der gestiefelte Kater“, „Die Feen“, „Aschenputtel oder der kleine gläserne Pantoffel“, „Riquet mit dem Schopf“, „Der kleine Däumling“, „Eselshaut“ samt einem Nachwort; die Broschek-Ausgabe den Neudruck der deutschen Erstausgabe von 1867, das heißt, dieselben neun Märchen (wenn auch mit gelegentlich abweichend formulierten Titeln) samt einer zeitgenössischen „Vorrede“.

ES GEFÄLLT die erstere, weil hier dem uninformierten, nur an Grimmscher Lektüre geschulten Leser, der den Franzosen Perrault (der 120 Jahre vor den Grimms schrieb) sehr unmärchenhaft gekünstelt, höfisch verbrämt und pädagogisch ambitioniert finden mag, durch das, knappe Nachwort eine angenehme Hilfe zum besseren Verständnis mitgeliefert wird. Es gefällt der Broschek-Band, obwohl er sich recht hochmütig auf sein bibliophiles Neudruck-Dasein retiriert und dem Leser sowohl jegliche Auskunft über Charles Perrault wie auch über den Neu-Erzähler Moriz Hartmann verweigert, weil auf dem schweren, elfenbeinfarbenen Kunstdruckpapier die raffinierten Holzschnitte Gustave Dorfe (die eher wie Radierungen anmuten) noch um eine Nuance besser zur Geltung kommen als auf normal weißem Buchpapier. P. K.