Boleslaw Barlog ist Intendant des Berliner Schiller- und Schloßpark-Theaters und einer der bekanntesten und profiliertesten Schauspieldirektoren der mittleren Generation.

Es gilt heute in den Kreisen, die dem Modernismus anhängen, als fein, über einen Dichter wie Carl Zuckmayer die literarische Nase zu rümpfen und ihn ganz einfach für überholt anzusehen.

Wir haben das selber erlebt im Berliner Schiller-Theater, als wir vor zwei Jahren eine Neuinszenierung des „Hauptmann von Köpenick“ auf die Bühne brachten. Die Aufführung war nicht nur für den Berliner Spielplan gedacht, sondern war neben Schillers „Don Carlos“ für eine Gastspielwoche in New York ausersehen.

Die Berliner Auguren schlugen die Hände über dem Kopf zusammen, verrissen nicht nur Hauptdarsteller und Regisseur, sondern zur Sicherheit auch gleich den Dichter. Es würde buchstäblich „wehe!“ geschrien, aber der herzliche und begeisterte Widerhall, den das Ensemble sowohl aus dem New Yorker als aus dem Berliner Parkett erfuhr, strafte die Kunstrichter Lügen. Zuckmayer, der – nachdem er die Kritiken über die Berliner Premiere gelesen hatte – verletzt und deprimiert abgereist war, konnte auf der New Yorker Bühne einen großen persönlichen Triumph erleben, den er auch sichtlich genoß.

Es wird in diesen Tagen um seinen 70. Geburtstag herum, den er am 27. Dezember 1966 feiert, sicherlich viel Lobenswertes gesagt und geschrieben werden. Das Beste, was man über Zuckmayer sagen kann – und ich muß mich hier wiederholen, ich habe es schon einmal gesagt – ist wohl, daß er so etwas wie ein großer Blutspender des deutschen Theaters gewesen ist.

Er hat als Expressionist begonnen, in einer Zeit, da diese Stilrichtung in höchster Blüte stand, und er hat auf den Bühnen gesiegt als der Überwinder dieses Stils. Ihm kam wohl als erstem und wohl als bedeutendstem Vertreter der damaligen jungen dramatischen Autoren der gute Gedanke, das Theater wieder in die Richtung des Volksstückes zurückzuführen, etwa im Sinne einer Nachfolge des von Zuckmayer hochverehrten Gerhart Hauptmann.

Wer konnte sich damals dem kühnen und überwältigenden Humor seines Lustspiels „Der fröhliche Weinberg“ entziehen! Ich entsinne mich noch genau der Uraufführung im Theater am Schiffbauerdamm. Es war nicht nur ein Erfolg, es war ein Sensationserfolg, nicht minder als „Die Dreigroschenoper“.