Der Nahe Osten blieb auch 1966 ein Spannungsfeld der Weltpolitik. Er wurde von zwei Konflikten beherrscht: der Konfrontation zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn und dem Kampf um die Erdölprofite. Eingebettet sind beide Konflikte in die Auseinandersetzung zwischen den sogenannte! progressiven sozialistischen Staaten der Araberliga (Ägypten, Syrien, Irak und Algerien) und den sogenannten restaurativen Mächten (den Königreichen Saudi-Arabien und Jordanien und den Scheichtümern am Persischen Golf).

Die Sowjetunion profitierte von diesem Gegensatz und vermachte ihren Einfluß in Ägypten (Staatsbesuch Kossygins) und in Syrien (Finanzierung des Euphratstaudamms) auszuweiten.

In Syrien, wo sich im Frühjahr nach einem der blutigsten Putsche der arabischen Nachkriegsgeschichte eine radikale Gruppe der Baathpartei und der Militärs die Macht teilte, ermunterte der sowjetische Beistand die Nationalisten zu außergewöhnlicher Aggressivität: Sie riefen offen zum Sturz des jordanischen Königshauses auf, schickten zahlreiche Sabotagetrupps über die Grenzen nach Israel und sperrten den westlichen Ölgesellschaften im Irak den Transit zum Mittelmeer, um höhere Gebühren zu erpressen. Mit dieser Nadelstichpolitik erreichten sie zweierlei:

1. Die Nationalisten im Irak, die seit Kassems Zeiten nach der Verstaatlichung der Ölgesellschaften verlangen, zwangen die Regierung in Bagdad, das syrische Vorgehen gegen die Ölgesellschaften zu unterstützen. Freilich gerieten dabei beide Länder in finanzielle Bedrängnis, da die Ölgesellschaften seit langem in anderen Teilen des Orients Ersatzquellen erschlossen hatten.

2. Die Israelis, durch die dauernden Sprengstoffanschläge gereizt, holten zum Gegenschlag aus. Wegen der sowjetischen Interventionsgefahr richteten sie ihre Vergeltung jedoch nicht gegen Syrien, sondern gegen Jordanien, das von den Terroristen als Durchgangsland benutzt wurde.

In Südarabien wurden indessen die Positionen für den, Machtkampf in den nächsten bei den, ‚Jahren abgesteckt; Ägypten und Saudi-Arabien warten auf den Tag, an dem, die britischen Soldaten aus Aden abziehen und die Südarabische Föderation in die Unabhängigkeit entlassen wird. Präsident Nasser ist allerdings nicht mehr Öl am Persischen Golf angewiesen da in diesem Jahr mehrere große Ölfelder in Egypten entdeckt wurden. Schon 1968 will sich Ägypten in die Reihe tief ölexportierenden Länder einreihen: