Von Stefan Moses

Exakt wie ein Wissenschaftler und mit Geduld, Phantasie, Gespür, mit allem eben, was den Künstler ausmacht – wie kein anderer Photograph zeigt Stefan Moses seit Jahren die deutsche Wirklichkeit. Diese Serie von Porträts, in denen sich unsere Zeitgeschichte spiegelt, ist ein Beispiel für seine Arbeiten, die zu einem guten Teil vom Chefredakteur des „stern“, Henri Nannen, angeregt wurden. Welches waren Ihre glücklichsten Jahre, und welche wollen Sie nie wieder erleben? Was im Leben war Ihnen am wichtigsten? Wie empfinden Sie das Alter? Stefan Moses stellte diese Fragen den Männern und Frauen, die er photographierte. Die Antworten, wörtlich wiedergegeben, sind nicht weniger aufschlußreich als die Bilder.

Magnus Freiherr von Braun, Reichsminister a. D.:

Die Jahre des Schaffens sind für jeden Mann die glücklichsten – also als Landrat, Generaldirektor der Raiffeisengenossenschaften, kurze Zeit als Reichsminister und dann als Landwirt. Alles an der Seite einer hochbegabten Frau, die die Menschen liebte und darum von den Menschen geliebt wurde. Die Vertreibung aus meiner Heimat war unzweifelhaft die widerlichste Zeit meines Lebens (siehe Seite 350 meines Buches „Weg durch vier Zeitepochen“, Starcke-Verlag, Limburg).

Bei jedem schaffensfreudigen Menschen steht die Arbeit im Mittelpunkt. Das Leben in und mit der Familie sollte man nicht zum Vergleich heranziehen. Es liegt auf einer anderen Ebene, ist darum aber nicht wertloser.

Mein Alter von fast 89 Jahren empfinde ich als etwas Naturgegebenes, seine Beschwerden daher als natürlich. Die mich ganz beherrschende Empfindung ist die der Dankbarkeit gegen Menschen und Schicksal.

Hjalmar Schacht, Reichsminister a. D.: