Von Ernst Hornickel

Es ist heute nicht mehr zeitgemäß, von schlechten, unzureichend breiten oder fehlenden Straßen im modernen Verkehr zu sprechen.

Es schickt sich nicht mehr, die Menschen anzuprangern, deren mangelhaft entwickelter Verkehrssinn und geringe Intelligenz die am häufigsten erkannten Unfallursachen sind.

Das Auto selbst ist zum Instrument der Apokalypse geworden.

Diejenigen, die es konstruieren und bauen, haben die mörderischen Waffen aus scharfkantigem Blech, unnachgiebigem Stahl und tückischen Glaswänden geschmiedet, statt es aus Kuchenteig zu bauen oder als Gummizelle zu entwickeln, was doch wahrhaftig oft passender und weniger gesundheitsschädlich gewesen wäre.

Das alles ist heute zu Amerikas Sorge gleich hinter dem Vietnam-Krieg und den Rassenkonflikten geworden. Eine „Safety-first“- Epidemie ist ausgebrochen. Der Sicherheits-Virus hat die Johnson-Administration erfaßt, deren Ribicoff-Ausschuß und deren GSA (General Service Administration) nicht weniger als 67 Punkte aufgestellt haben, die der Sicherheit der Autoinsassen bei Unfällen dienen und die von nun ab Zug um Zug, Jahr für Jahr im Produktionsprogramm der amerikanischen Automobil-Industrie verwirklicht werden sollen. 23 Punkte, die bis 1968 verwirklicht werden sollen, veröffentlichten wir in Nr. 51 in einem Schaubild.

Der Mann, der den Stein beherzt ins Wasser geworfen hatte und den Automobilbauern den Schwarzen Peter der hohen Unfallziffern zugeschoben hatte, war in den Augen der riesigen US-Automobil-Industrie kaum mehr als ein Gartenzwerg: Ralph Nader, ein 33jähriger, aus der Provinz stammender Rechtsanwalt in Washington, der nachweislich vom Automobil nicht mehr versteht als jeder andere intelligente Autofahrer auch.