Die Vereinten Nationen haben alle Länder der Welt aufgefordert, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Rhodesien abzubrechen. Durch diese Boykottmaßnahmen will man das Regime des Ministerpräsidenten lan Smith dazu zwingen, der schwarzen Mehrheit der Bevölkerung die gleichen politischen Rechte zu gewähren, wie der weißen Minderheit. Welchen Erfolg diese Maßnahmen haben, ist angesichts früherer Erfahrungen mit wirtschaftlichen Sanktionen fraglich.

  • Die Aktion des Völkerbundes gegen Mussolinis Abessinien-Politik im Jahre 1935 wurde auch von zahlreichen nicht-faschistischen Ländern ignoriert, darunter den USA. Nach acht Monaten wurde der Boykott eingestellt. Das italienische Regime hatte einen Prestigeerfolg erzielt, der Völkerbund an Ansehen verloren.
  • Die russischen Bemühungen nach 1948, Tito im Ostblock zu isolieren, zwangen Jugoslawien dazu, seine wirtschaftlichen Beziehungen zum Westen auszubauen. Hierdurch wurde das Land erst recht unabhängig vom Comecon. Später, nach dem Bruch mit China, unternahm die UdSSR selber größte Anstrengungen, um die Beziehungen zu Tito wieder zu normalisieren.
  • Der Boykott Kubas durch die USA veranlaßte Fidel Castro, sich enger an China und die UdSSR anzulehnen.
  • Die Bemühungen der USA, China wirtschaftlich zu isolieren, schlugen fehl und ermöglichten es anderen Ländern, in die Märkte Chinas einzudringen. Kanada hat beispielsweise China in den letzten sechs Jahren Weizen für rund 3,7 Milliarden Mark geliefert.
  • Der UNO-Boykott gegen Spanien von 1945 bis 1950 führte dazu, daß die Spanier sich starker hinter Franco zusammenschlössen.
  • Das Röhrenembargo der NATO gegen Rußland hatte zur Folge, daß Länder wie Japan und Schweden in die Bresche sprangen und die Sowjetunion sich eine eigene Großröhrenindustrie aufbaute. Die geplanten Pipelines in der UdSSR sind trotz des Embargos heute weitgehend fertiggestellt. Die deutsche Industrie hat einen wichtigen Markt verloren, der auch jetzt nach der Aufhebung des Lieferverbots kaum wiedergewonnen werden kann.

Der Versuch, ein Land wirtschaftlich zu isolieren, hat sich also stets weitgehend als Fehlschlag erwiesen. Der Schaden ist für die boykottierenden Länder dazu oft noch größer als für den bekämpften Staat. Als politische Waffe ist der Boykott vollends untauglich. Meist führt er nur dazu, daß sich alle politischen Kräfte eines Landes in der gemeinsamen Not hinter der herrschenden Gruppe zusammenschließen. Außerdem gibt man dem Regime die Möglichkeit, alle Fehlschläge und Schwierigkeiten, die in einer anderen Situation vielleicht zu seinem Sturz geführt hätten, auf die Maßnahmen des Auslandes zurückzuführen. Wirtschaftliche Sanktionen sind meist nur Ausdruck militärischer und politischer Ohnmacht oder Handlungsunwilligkeit. mj