War Paczensky sarkastisch und leise, ein Swift aus Lokstedt, der den Zynismus mit der Anmut vereinte, erschien Proske präzise, faktenkundig und weltzugewandt – August Bebel, nicht Duellant Lassalle stand ihm Pate –, gab sich Kogon, wir gedachten seiner zum Abschied, als elegischer Weiser und als ein Vater, der in der graziösesten Weise zu unterrichten versteht, mutete Fest, auch er will nun schon in der Vergangenheitsform analysiert sein, als Praeceptor Germaniae an – unbestechlich, sentenziös und aufklärerisch, so möge die gute Fee (viele Gaben sind nicht mehr übrig) dem nächsten Panorama-Chef vor allem Charme, Geduld und jene Leichtigkeit geben, mit deren Hilfe sich das Sokrates-Geschäft des Belehrens am unauffälligsten ausführen läßt.

Einfach, so viel steht fest, wird es nicht werden: Dafür war der letzte Leiter zu gut; die Sendung vom 19. Dezember zeigte noch einmal die Züge seiner strengen Didaktik. Das Wehner-Porträt war aspektreich, wenngleich ein wenig gar zu dämonisch: Ein neuer Mythos entsteht, der füchsische Alte wird abgelöst durch den genialen Taktierer, Fädenspinner, Puppenlenker. Wer spricht schon davon, daß ein simples Rezept (Der starke Westen holt die Brüder und die Schwestern heim; allein die Macht ist gut, Prinzipien sind ohne Belang) nicht eben leicht auszuführen ist?

Vorzüglich hingegen die lange Kamerafahrt vor dem fluredurchschreitenden Wehner, der einen Bürokorridor mit jener Kennerpose durchmaß, die Charles de Gaulle beim Passieren von Teppichtreppen oder Lüstersälen charakterisiert. Vorzüglich auch das Bild der Hände, zweier kleiner, übereinandergestapelter Fleischtellerchen, vorzüglich vor allem – und böse – die Pointe am Schluß, die den Lieblingsschriftsteller des Porträtierten preisgab: Ernst Wiechert also ist es, nicht Lichtenberg, Thomas Mann oder Marx (was dachtet denn ihr?), an dem sich Wehner vorzugsweise delektiert. Und in der Tat, es ist ein schöner Gedanke, sich den Schöpfer der Hasselbrandt-Sozietät am Abend des Triumphes mit der Magd des Jürgen Doskocil oder der Frau Majorin vorstellen zu dürfen. Ein tröstliches, ein wahrhaft menschliches Bild: Wehner und Höcherl beim Disput über die Jerominkinder; der Magier aus Ostpreußen als des geistigen Vaters dieser Koalition geistiger Vater.

Schade, daß Joachim C. Fest mit solcher Pointe nicht seine Karriere beschloß und den Zuschauern Gelegenheit zum Weitermeditieren gab. Lübke als Anwalt des einfachen Lebens, welche Zusammenhänge treten da zutag! Der Schwanengesang hernach wiederholte nur oft schon Gesagtes – wenn man von der Tatsache absieht, daß der Betrachter am Bildschirm erfuhr, Hans Christoph Seebohm habe sich, im Hinblick auf den scheidenden Fest, zu dem Ausdruck Schwein hinreißen lassen.

Wobei denn-doch zu fragen ist, ob nicht, aus diesem Mund, die Bezeichnungen Adler oder Löwe sehr viel kränkender wären. Momos