Von Dieter Dietrich

Spekulation oder wissenschaftlich gesicherte Annahme: In zweitausend Jahren soll das Magnetfeld der Erde erloschen sein. Kosmische Strahlen können dann nahezu ungehindert bis zum Erdboden vordringen. Sie gefährden das Leben der Menschen, Tiere und Pflanzen. Verheerende Folgen soll das Bombardement aus dem All haben: Die Existenz des Menschen steht in Frage, manche Tierarten werden ausgerottet, bei anderen Gattungen sind drastische Veränderungen des Erbguts und damit des Aussehens und Wesens zu erwarten, mit neu entstehenden Pflanzen und Tieren ist zu rechnen.

Für derart düstere Prognosen verbürgen sich namhafte Meeresforscher und Geophysiker, wie aus einem Bericht der seriösen „Naturwissenschaftlichen Rundschau“ hervorgeht. Er stützt sich vor allem auf eine Zusammenfassung internationaler Untersuchungen des amerikanischen Gelehrten Bruce C. Heezen vom Geologischen Observatorium Lamont in Palisades (New York).

Die zitierten Wissenschaftler gehen von der Beobachtung aus, daß zur Zeit das irdische Magnetfeld im Schwinden begriffen ist. Sie errechneten, daß es ungefähr im Jahr 4000 nicht mehr vorhanden sein wird, falls es auch künftig mit dem jetzigen Tempo abnimmt. Hier beginnt allerdings die Spekulation. Denn ob dies der Fall sein wird, läßt sich heute noch nicht mit Sicherheit sagen.

Deutsche Kapazitäten bestätigten zwar, daß die Stärke des Erdmagnetfeldes nach den Messungen aller Observatorien seit fünfzig Jahren ständig nachläßt. Aber sie halten es auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahrhunderte für wahrscheinlicher, daß sich der Schwund in den kommenden fünfzig Jahren durch eine entsprechende Zunahme der Feldstärke ausgleicht. Denn nach heutigen Kenntnissen pulsiert das Magnetfeld in einem Jahrhundert-Zyklus (sogenannte Säkularvariation), wie Professor Walter Kertz vom Geophysikalischen Institut der Technischen Hochschule Braunschweig erläuterte. Auch er schloß indessen die Möglichkeit nicht aus, daß das Pulsieren diesmal ins Stocken gerät.

Denkbar ist demnach, daß sich das Magnetfeld mit der bisherigen Geschwindigkeit weiter abschwächt und schließlich in rund zweitausend Jahren erloschen ist. Und an dieser Stelle berührt die Vorhersage wieder den Boden exakter Wissenschaft. Sowohl die Tatsache, daß das irdische Magnetfeld zu existieren aufhören kann, als auch der Umfang der dann auf Erden losbrechenden Katastrophe lassen sich belegen.

Dem Erdmagnetfeld verdanken wir, daß das Leben auf dem Globus vor den, gefährlichen Einwirkungen aus dem Weltraum bewahrt bleibt. Sternsplitter, radioaktive Strahlen aus dem All, Protonen- und Elektronenschauer und die schädlichen ultravioletten Sonnenstrahlen erreichen uns nicht oder nur in zur Harmlosigkeit abgeschwächter Form. Wie ein mächtiger Schutzschild fängt das Magnetfeld die kosmischen Partikel und Energien ein und hält sie so von der Erde fern. Der magnetische Panzer spannt sich in einer Höhe von vierhundert bis zu dreißigtausend und mehr Kilometern von Pol zu Pol über die gesamte Erdkugel. Berühmt geworden als eine der dicksten Schichten dieses Schutzschilds ist der Van-Allen-Strahlengürtel.