Von Werner Hörer

Wenn das, was (nicht von Deutschen) als „Deutsches Wunder“ hochgelobt wurde, seinem Ende zugeht, müssen dann dieses Wunder; willigste und billigste Kinder, die Gastarbeiter den ersten Preis dafür zahlen? Das ist offenbar die Befürchtung vieler Gäste und die Erwartung mancher Gastgeber. Am Weihnachtsfest und zur Jahreswende, wenn die große saisonale Völkerwanderung fällig wird, läßt sich diese Besorgnis an verminderter Heimkehrfreude und vermehrter Seßhaftigkeit unserer südländischen Arbeitsgefährten ablesen. Einer von denen, die in unser Land kamen, um sich hier redlich zu nähren, ist der Italiener Dr. Giacomo Maturi. In Heidelberg hat er am Max-Planck-Institut für Völkerrecht assistiert. In einem der größten Industrieunternehmen der Bundesrepublik kümmert er sich jetzt um Tausende von Gastarbeitern, nicht nur um seine eigenen Landsleute.

„Bemerken die Gastarbeiter, daß sich in der deutschen Wirtschaft, in der deutschen Gesellschaft eine gewisse Nervosität ausbreitet?“

„Sie bemerken es und verstehen es nicht. Die deutsche Wirtschaft floriert immer noch besser als jemals zu früheren Zeiten, und den Deutschen in der Bundesrepublik geht es besser als zu irgendeiner anderen Phase ihrer Geschichte.“

„Aber die Arbeitslosigkeit steigt!“

„Weil die Deutschen nichts Schlimmeres gewohnt sind, alarmiert sie das Überschreiten der 300 000-Marke. Aber der Zustand, den man nach internationaler Übereinkunft als Vollbeschäftigung, bezeichnet, ist damit noch nicht in Frage gestellt.“

„Lassen sich die Gastarbeiter von der Nervosität, die sie bei den Deutschen bemerken, selber auch anstecken?“