552 deutsche Sportjournalisten stimmten ab. Sie wählten Rudi Altig zum Sportler des Jahres 1966. Zweiter wurde der „Zehnkampf-Graf“, wie man ihn in „Bild“ zu nennen pflegt, Werner von Moltke, dann kam „Jörgl“ Thoma, der Skiweltmeister in der Nordischen Kombination, und schließlich folgten drei Läufer: Kemper, Tümmler und Norpoth auf Platz 4 bis 6.

Gegen den Sportler des Jahres selbst wird es wohl kaum Einwände geben, eher schon gegen die „Sportart“ des Profi-Radrennfahrens, die von Doping-Skandalen geschüttelt wird und bei der es auch Siegerabsprachen im Firmeninteresse geben soll. Bei aller Schinderei der Fahrer herrscht doch einige Korruption.

Nichts konnte man auch gegen die Mannschaft des Jahres sagen, obwohl im „Großen Fußball“ das Unfair-Play immer mehr um sich greift. Auch hier haben sich die deutschen Profis in Wembley tadellos benommen.

Bei den Damen kamen zwei Leichtathletinnen punktgleich auf den ersten Platz – Karin Frisch und Helga Hoffmann. Sportlerinnen von überragender Weltklasse fehlen hier.

Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Proklamation im Kurhaus Baden-Baden angelsächsisch. Die Fußballer mit „uns Uwe“ und Helmut Schön marschierten zum englischen Fußballied „When the saints go marching in“ ein. Später ertönte der US-Zapfenstreich, den Montgomery Clift in „Verdammt in alle Ewigkeit“ so herzzerreißend blies und dann noch „Glory, Glory, Halleluja“.

Verloren auch die Fußballer gegen England und sind auch die deutschen Leichtathleten den Amerikanern nicht immer gewachsen, so sind die alten deutschen Komponisten immer noch Weltklasse, um im Jargon zu bleiben. Das sollte sich bis Baden-Baden herumgesprochen haben, wo die ganze Siegerehrung trotz Weltbad-Atmosphäre doch recht provinziell wirkte.

Die verschiedenen internationalen Preisrichter-Gremien setzten zwei amerikanische Leichtathleten als Weltsportler des Jahres abwechselnd an die Spitze. Tommy Smith, den Sprinter, und Jim Ryun, den Mittelstreckler. Smith, der lange Neger, hat erkannt, daß die absolute Schnelligkeit von etwa 42 km in der Stunde kaum noch zu erhöhen ist, dagegen aber die Tempoausdauer über 200 Meter. Nimmt man 0,9 Sekunden für den Verlust beim Start an, so kann man folgende Rechnung aufmachen: 10,2 sek. + 10,2 sek. = 20,4 sek. – 0,9 sek. = 19,5 sek. Da die Bestzeit von Smith über 100 Meter 10,1 Sekunden beträgt, bedeutet dies, daß Smith die 201 Meter (220 Yards) fast in seinem 100-Meter-Tempo durchgelaufen ist. Das hat es noch nie gegeben.

Ebenso ist es ein Novum, daß die 800-Meter-Läufer, wie Ryun und Kemper, die zweite Runde schneller laufen als die erste. Hier könnte man sich von der Laufökonomie her zwei gleichschnelle Runden als Leistungs-Optimum vorstellen. A. M.