Bei der Premiere in Frankfurt war Hartmut Langes Bühnenstück „Marski“ durchgefallen. Die Augen aller derjenigen, die an das dramatische Talent des jungen Autors glauben, richteten sich nach Berlin.

Doch auch in Berlin, an der Freien Volksbühne, mit der sich für die meisten von uns noch immer der Name Piscator verbindet, war der hintergründigen Komödie kein Heiterkeitserfolg beschieden. Und auch sonst keiner.

Nach der Pause gab es leere Plätze und am Schluß Buh-Rufe – die freilich, wie das Buh-Rufen um der ausgleichenden Gerechtigkeit willen meistens gelingt, aus einigen Ecken auch demonstrativen Beifall hervorlockten.

Schade. Aber nicht unerwartet. Vom Stoff her liegt Langes Stück unglücklich. Der Großbauer, der seine Mitmenschen tyrannisiert, ausnützt und erpreßt, dem nach und nach alle den Rücken kehren, um der Genossenschaft beizutreten, der schließlich allein mit seinem Besitz nicht fertig werden kann und selber der Genossenschaft beitritt – das ist keine Figur unserer Gegenwart, unserer westdeutschen schon gar nicht; aber es ist auch noch kein historischer Fall, der uns aus der Distanz etwas zu sagen hätte.

Dazu kommt ein Einwand, den Hartmut Lange vergebens (im Programmheft) zu widerlegen versucht: Dem Stück bekommt die erdrückende Nachbarschaft zu Herrn Puntila schlecht. Und wer so viel von Brecht gelernt hat wie Lange, dessen Versuche, sich vom Meister zu distanzieren, müßten überzeugender sein, wenn sie überzeugen wollten.

Gewiß, Lange kann Dialoge schreiben, bei denen kein Papier raschelt. Das ist wohltuend zu hören. Aber die ganze Geschichte ist doch zu breit angelegt und langweilt stellenweise auch wohlwollende Zuschauer erheblich. Daran konnte auch Regisseur Hans-Günther Heymes wenig ändern: Es ist ihm viel eingefallen, aber er hat auf zu wenig verzichtet.

Jochen Brockmann in der Hauptrolle machte dadurch, daß er alles gutmachen sollte, vieles schlechter. Er ist ein höchst glaubhafter Fresser und Säufer; aber gerade deswegen auch kaum etwas anderes. Fressen und Saufen jedoch ist nicht abendfüllend, im Theater.