Mülheim am Main

Ein 1,8-Millionen-Gebäudekomplex erregt die Gemüter. „Schuldenpark“ sagen die einen. Oder, je nach Interessenlage: „Unsere Stadt wird sozialisiert.“ Die anderen rühmen, was da seit knapp drei Monaten am Nordrand der kleinen Stadt Mühlheim am Main zu bewundern ist, als Pioniertat, von der noch ganz Deutschland reden werde.

„Bürgerpark“ heißt es offiziell. Erbaut allein zu dem Zweck, einer Stadt, die durch ständiges Wachstum nach allen Seiten ihr Zentrum verloren hat, ein neues zu geben. Nicht geographisch, sondern sozusagen innerlich.

Eine Art Zange soll sich schließen. Ende Dezember des vorigen Jahres entstand die Altentagesstätte. Jetzt wurde daneben das Jugendzentrum fertig. Eine Pergola verbindet beide miteinander. Rundherum Spielplätze, Rasen, ein Modellbootbecken, Spazierwege. Man verhehlt nicht, daß die Zange eines Tages auch die mittleren Jahrgänge fassen soll. Eine Stätte für jedermann, Wunsch- oder Angsttraum?

Die Modelle suchte man in der Schweiz und den Niederlanden, nicht in der DDR, wie betont wird. Die Erfahrungen sind natürlich noch zu jung, als daß man wirklich fundierte Schlüsse aus ihnen ziehen könnte. Aber einiges läßt sich bereits verzeichnen.

Beide, Alt und Jung, neigen bereits zum Klüngeln. Die Alten wählten einen Altenrat. Die Jungen akzeptieren zwanzig Freiwillige als Organisatoren. Auf beiden Seiten kam bereits der Vorschlag, die „Regelmäßigen“ von den „Gelegentlichen“ zu trennen. Geheime Mitgliedsbeiträge, aus „Altentagesstätte“ wurde „Alten-Club“ (mit Tischfähnchen), bei den Jungen kam es schon zu Reibereien mit anderen Gruppen, die von außen randalierend einen Besuch machten.

Der Deutsche braucht seinen Verein. Dabei gibt es in Mühlheim bereits genug Vereine. Die Leitung des Bürgerparks führt jetzt einen stillen, zähen Kampf gegen die Vereinstendenzen, die ja andere vom Mitmachen abschrecken.