Während ringsum in der Wirtschaft noch eine gedrückte Stimmung herrscht, zeigen die Bremer Optimismus. Nach langem Hin und Her ist dort die Entscheidung gefallen: Die Vereinigten Flugtechnischen Werke werden das erste deutsche Düsenverkehrsflugzeug bauen, die VFW 614, ein Kurzstreckenflugzeug für etwa 40 Passagiere.

Der Entschluß ist den Bremer Flugzeugbauern nicht leicht gefallen, denn die Entwicklung der Flugzeugzelle wird allein etwa 120 Millionen Mark kosten, wobei der Bund mit 60 Prozent Entwicklungsdarlehen hilft; weitere 200 Millionen Mark dürfte die Entwicklung der Triebwerke erfordern, die über Devisenausgleichskonto aus England kommen. Doch der Entschluß mußte jetzt gefaßt werden, sollte nicht wieder eine Chance für die deutsche Luftfahrtindustrie vertan sein. Wenn alles glattgeht, wird der erste Prototyp der VFW 614 im Frühjahr 1969 fliegen, gerade noch rechtzeitig, um ohne mörderische Konkurrenz in eine von den USA noch offengelassene Marktlücke hineinschlüpfen zu können.

Die VFW 614 ist zudem ein weiteres Stück europäischer Zusammenarbeit, in der die einzige Chance für eine Zukunft der europäischen Luftfahrtindustrie liegt; die holländische Firma Focker wird sich mit schätzungsweise 30 Prozent an der Entwicklung beteiligen. Diese und eine Absatzchance von rund 400 Flugzeugen sind das Risiko wert, das die Bremer zweiffellos eingehen.

hm