Das „Goldene Zeitalter“, das US-Außenminister Dean Rusk den Lateinamerikanern schon 1965 auf der ersten Außenministertagung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verhieß, ist noch nicht angebrochen. Solches Versprechen war auch zu voreilig. Über eine Tatsache indessen kann Washington zufrieden sein: auf dem südamerikanischen Kontinent blieb es 1966 relativ ruhig. Umstürze, Revolten, Putsche standen nicht auf der Tagesordnung dieses Jahres – mit Ausnahme von Argentinien, wo die gewählte Regierung Illia von den Militärs gestürzt wurde, und von Ekuador, wo die Militärjunta verjagt wurde.

Der „Sprung nach vorn“ ließ auf sich warten. Kennedys „Allianz für den Fortschritt“ blieb zu einem guten Teil Papierwerk. Der Versuch einer wirtschaftlichen Integration der lateinamerikanischen Staaten nach EWG-Muster mißlang. Verärgert über die hinhaltende Taktik der „Militärallianz“ Brasiliens und Argentiniens meinte der chilenische Außenminister Gabriel Valdes zum Abschluß einer Tagung der ALALC (der Freihandelszonen-Vereinigung): „Wenn sich die Voraussagen erfüllen, werden die USA und die Sowjetunion 1970 auf dem Mond landen. Aber wir werden 1973 nicht jene Ziele erreichen, die 1961 gesteckt wurden.“