Wie viele Menschen er töten ließ, läßt sich nicht mit letzter Sicherheit errechnen. Fest steht nur, daß seine eigenen Zahlenangaben übertrieben sind. Danach müßten es Millionen gewesen sein. Er übertrieb nicht etwa aus einem Schuldgefühl heraus, sondern um sich und seine Siege bedeutender erscheinen zu lassen. Konnte er ahnen, daß irgendwann irgendwelche Gelehrte seine Angaben prüfen und in Zweifel ziehen würden? Nicht für sie hatte er seine Rechnungen aufgestellt, sondern für seine Zeitgenossen, denen es nicht möglich war, sie zu überprüfen.

Nach seinen Angaben müßten allein von einem Volk, das er bekriegt hatte, etwa zwei Millionen Tote auf sein Konto kommen. In kritischen Untersuchungen kam man – übrigens nicht um ihn zu retten – zu einem anderen Ergebnis. Danach muß die Zahl der Todesopfer sehr viel niedriger gewesen sein; zusammen mit den Deportierten (die den weitaus größeren Anteil ausgemacht haben) dürften es zwischen einer halben und einer dreiviertel Million gewesen sein. Immerhin war auch das schon eine beträchtliche Leistung.

Andere Völker zu reduzieren, gehörte nicht zu den Zielen seiner Unternehmungen. Das war nur, so könnte man sagen, schwer zu vermeiden. Wohl aber gehörte es dazu, andere Völker finanziell auszunehmen. Sich auf diese Weise von seinen hohen Schulden zu befreien, war sogar eines seiner wichtigsten Anliegen. Schulden hatte er fast immer. Doch nicht etwa, weil er besonders verschwenderisch gelebt hätte; sein Privathaushalt galt als recht bescheiden. Und die drei Villen, die er außerhalb der Stadt besaß, waren mit den vielen luxuriösen Landsitzen jener Zeit kaum zu vergleichen. Zwar wurde er Milliardär, aber es ging ihm nicht um persönlichen Reichtum.

Nicht Geld oder Grundstücke oder irgendwelche Wertgegenstände wollte er besitzen, sondern Macht. Das Geld verwandte er nur, um sich die Macht zu sichern. Das heißt, den größten Teil seiner Einnahmen verschenkte er; mit großzügigen Geschenken machte er sich die Menschen geneigt, die er beherrschen wollte.

So hat er zum Beispiel einmal 320 000 minderbemittelten Bürgern, die zur Miete wohnten, für ein Jahr die Miete bezahlt. Das war ein gewaltiger Betrag. Denn Wohnungsmieten waren zu jener Zeit in jener Stadt außerordentlich hoch. Von Jahr zu Jahr stiegen die Grundstückspreise rascher; deswegen wurden die Häuser immer höher gebaut, mit sechs bis sieben Stockwerken. Aber obgleich sie dabei qualitativ ständig schlechter wurden (was häufig zu Einstürzen führte), stiegen die Mieten genauso wie die Grundstückspreise, und weil der Wohnungsbau mit der zunehmenden Nachfrage nicht Schritt hielt, machten Hauswirte und Bauunternehmer die tollsten Geschäfte. Und natürlich auch die Grundstücksmakler.

Für ihn war das kein besonders großer Betrag. Denn bei seinen Unternehmungen hat er Gewinne erreicht wie kein anderer vor ihm oder nach ihm bei ähnlichen Unternehmungen. Aber wie schon gesagt, er behielt sie nicht für sich. Und wenn er sich in der Stadt einen Palast mit einem Park zulegte, wo er seine Geliebte wohnen ließ, dann fiel auch die dafür erforderliche Summe nicht ins Gewicht – im Vergleich zu den Milliarden, die er verschenkt hat.

Bei großen Feiern, nicht Partys für die High Society, sondern Veranstaltungen, an denen die gesamte Bevölkerung teilnahm, gab er Summen aus, die alles bis dahin Übliche weit hinter sich ließen. Seine Gegner hofften, daß er sich auf diese Weise einmal ruinieren würde. Aber sie unterschätzten ihn. Immer wieder konnte er auch für die Unterstützung der Armen oder für die bauliche Verschönerung der Stadt Millionen und Abermillionen zur Verfügung stellen. In der Beschaffung neuer Geldmittel war er in einem Maße erfolgreich, daß sein Erfolg ihm einmal geradezu Schaden brachte: Da hatte er so viel Gold erbeutet und auf den Markt gebracht, daß der Goldwert um ein Viertel sank.