Der Wettlauf zwischen Amerikanern und Russen zum Mond war in diesem Jahr spannender denn je. In der Weltraumfahrt liegen zur Zeit die Amerikanet vorn, da sie mit dem Gemini-Testprogramm die meisten Erfahrungen sammeln konnten, während die Sowjets seit fast zwei Jahren keinen Menschen mehr in den Weltraum geschossen haben.

Die Sowjets vollbrachten jedoch als erste einige technische Glanzleistungen: Sie landeten eine Sonde auf der Venus; ihnen gelang die erste weiche Landung auf dem Mond, und sie brachten zum erstenmal einen Satelliten in eine Umlaufbahn um den Mond. Doch bei den Mondexperimenten zogen die Amerikaner innerhalb weniger Monate nach.

In diesem Jahr konnten die Erdbewohner zum erstenmal auf Funkbildern das Panorama der Mondlandschaft studieren und das erste Erdphoto aus der Mondperspektive bewundern. Die Kameras der Mondsatelliten (drei sowjetische, ein amerikanischer) sollen geeignete Landeplätze auf der Mondoberfläche ausfindig machen. Die weichen Landungen auf dem Mond (zwei sowjetische, eine amerikanische) verhalfen den Raumforschern zu einer wichtigen Entdeckung: Die Mondoberfläche besteht nicht, wie zunächst befürchtet wurde, aus einer tiefen Staubschicht, sondern ist so fest, daß sie schwere Raumschiffe tragen kann. Die neueste sowjetische Mondsonde, die Weihnachten im „Meer der Stürme“ niederging, testet zur Zeit die Bodenbeschaffenheit und mißt die Korpuskular- und Gammastrahlung.

Die amerikanische Weltraumbehörde hat systematisch erprobt, wie sich die Menschen der Schwerelosigkeit im Weltraum anpassen können, wie manövrierfähig die Weltraumschiffe sind und wie die elektronischen Geräte funktionieren, von denen das Leben der Astronauten bei einer Rückkehr vom Mond abhängt. Nach den zwölf Gemini-Flügen steht folgendes fest:

Der Mensch kann ein Raumschiff beliebig steuern und bei Rendezvous-Manövern Raumfahrzeuge aneinanderkoppeln. Sogenannte „Weltraum-Tankstellen“, die in Kreisbahnen geparkt und nach Bedarf von bemannten Raumschiffen angezapft werden, sind nicht länger mehr eine Ausgeburt der Phantasie. Astronauten können sich frei im Weltraum bewegen und Weltraumstationen montieren.

Schon in zwei bis drei Jahren soll ein amerikanisches Apollo-Mondschiff den Erdtrabanten umkreisen und zwei Astronauten mit einem Mondboot aussetzen. Gute Aussichten, als erste Menschen den Mond zu betreten, haben die amerikanischen Alt-Astronauten Grissom (40), Schirra (43) und Cooper (39).

Die Sowjets möchten noch vor dem 50. Jahrestag ihrer Oktoberrevolution einen Kosmonauten auf dem Mond landen. Zumindest scheinen sie zu planen, noch in diesem Jahr Astronauten auf eine Umlaufbahn um den Mond zu schicken oder sie doch in ziemliche Nähe des Mondes vorstoßen zu lassen.