Das Jahr 1966 endete in Griechenland mit einer Regierungskrise: Die Regierung Stefanopoulos, die seit dem Sturz Papandreous im Juli 1965 ohne eine eigene Parlamentsmehrheit regierte, trat zurück; Neuwahlen wurden für Frühjahr 1967 ausgeschrieben.

Stefanopoulos hatte nur mit geborgter Macht regieren können. Zwei Parteien der konservativen Rechten, die Nationalradikale Union ERE mit 99 Abgeordneten und die Progressive Partei mit acht Abgeordneten, unterstützten sein Kabinett, aber sie traten weder in die Regierung ein noch erteilten sie eine Blankovollmacht. Jetzt entschloß sich der ERE-Führer Kanellopoulos innerhalb weniger Stunden, der Regierung das Vertrauen zu entziehen, und ebnete damit Neuwahlen, den Weg.

Solche Wahlen hatte Papandreou seit seinem Sturz ständig gefordert. Sein Argument: Die Zusammensetzung des Parlaments entspreche nicht mehr dem Volkswillen, da die Mehrheit, welche die Zentrumsunion 1964 errungen hatte (53 Prozent), durch die manipulierte Spaltung der Partei "überfahren" worden sei.

Stefanopoulos hatte angekündigt, er wolle Wahlen durchführen, sobald Ruhe und Sicherheit im Innern und wirtschaftliche Stabilität gewährleistet seien. Im Laufe seiner Amtszeit bezeichnete er beide Voraussetzungen wiederholt als erfüllt, schrieb jedoch keine Neuwahlen aus. Überdies lehnte die ERE den Entwurf des neuen Wahlgesetzes ab. Damit wurde die Lage der Regierung hoffnungslos.

Putschgerüchte erfüllten Athen. Doch wie Papandreou, so sprach auch Kanellopoulos gegen eine außerparlamentarische Lösung der Krise und brach damit das Geraune über die Errichtung eines Diktatur-Regimes.

Die Übergangsregierung Paraskewopoulos, die sich aus Nichtparlamentariern zusammensetzt, bereitet jetzt Wahlen für Ende Mai vor. Der Zentrumsunion unter Georg Papandreou wird die Chance der absoluten Mehrheit eingeräumt.

Allerdings ist noch nicht zu übersehen, wie sich der jüngste Streit zwischen Sohn und Vater Papandreou auswirken wird: der alte Zentrumsführer unterstützt die Interimsregierung, der junge zieht gegen sie vom Leder. Auch hat Kanellopoulos durch seine Haltung in letzter Zeit an Autorität gewonnen. Und noch immer fordert ein Teil der ERE die Rückkehr des im freiwilligen Pariser Exil lebenden früheren Regierungschefs Karamanlis.