Die Rede, die wir hier – an einigen Stellen gekürzt – drucken, wurde von Günter Grass am Donnerstag letzter Woche in Gelsenkirchen vor achtzehnhundert vorwiegend jungen Leuten gehalten, zur Eröffnung des einundzwanzigsten Studienjahres des Volksbildungswerkes. Die Gelsenkirchener Presse schreckte vor einer Veröffentlichung des Textes zurück. Haben es oppositionelle Äußerungen im Zeichen der Großen Koalition etwa bereits schwerer als vorher? Der ZEIT wurde nicht nur zum Vorwurf gemacht, letztens mehrere Male den Appellen und Mahnungen von Günter Grass Platz eingeräumt zu haben. Es wurde ihr auch vorgeworfen, Günter Grass allein gelassen, ihn ohne ausdrücklichen redaktionellen Schutz der Volkswut ausgesetzt zu haben. Worauf zu sagen wäre: es käme uns unsinnig, ja fast beleidigend vor, einen Mann, der sich durchaus selber zu wehren weiß, mit redaktionellen Erklärungen zu stützen. Wenn wir Grass drucken, so kommt es gar nicht so sehr darauf an, ob wir in allen Einzelheiten mit ihm einer Meinung sind. Wir halten die Sorge, die Grass zu Stellungnahmen wie dieser bewegt, nicht nur für etwas, das man sich wohl oder übel gefallen lassen muß, wir begrüßen sie; und wir halten ihn nicht für einen unliebsamen Ruhestörer, sondern für einen Freund eines freundlicheren Deutschland. D. E. Z.